„Warum eigentlich Japan?“

Ich glaube jeder, der Japanisch studiert oder auch nur Interesse am Land bekundet, muss sich früher oder später dieser Frage stellen. Spätestens dann, als ich mich fest dazu entschieden hatte, ein japanisch-lastiges Studium zu beginnen, habe ich sie ständig gehört und das von allen Seiten. Oftmals stand sie einfach aus purem Interesse im Raum, dann fand ich es auch niemals schlimm, meine Gründe zu erklären.
Doch es gab auch diesen kleinen Prozentsatz an Bekannten / Verwandten, die mit dieser Frage kein Interesse bekunden wollten, sondern Zweifel.
Warum denn Japan? Warum so weit weg? Warum eine Sprache, die man außer dort nirgends anwenden kann? Warum kein pures BWL-Studium? Und wenn du schon eine Sprache mit Wirtschaft verbindest, warum nicht etwas „Sinnvolles“ wie Chinesisch?  


Zu diesen Bedenken gesellte sich dann nicht selten eine eigenartige Mischung aus Belustigung und Reserviertheit. Mittlerweile kann ich mit diesen Meinungen ganz gut leben, doch anfangs ist es mir nicht selten sauer aufgest0ßen.
Wer mich gut und lange kennt, weiß, dass ich mich nicht einfach aus einer Laune heraus dazu entschieden habe, Japanisch zu studieren. Diese Menschen wissen auch, dass ich niemals vorhatte, „pures BWL“ oder etwas „Sinnvolles“ zu studieren, ganz im Gegenteil. Was ich immer schon wollte, was immer schon als Herzenswunsch in mir herangewachsen ist:

Ich wollte nach Japan.
Ich wollte die nebelverhangenen Bergketten sehen. Die totenstillen Bambuswälder. Mich einmal in Tokios Lichtermeer treiben lassen. Sorgen in gutem Sake ertränken. Mir beim Karaoke die Lungen wund schmettern. 

Und das auf so realistischem Wege wie möglich.
Manchen Menschen reicht es, ein Land für das sie sich interessieren im Urlaub zu bereisen. Einmal für zwei Wochen um den ganzen Globus fliegen, um im Schnelldurchlauf mein Traumland kennen zu lernen, reichte mir persönlich allerdings nicht aus. Daher habe ich Japan vor meinem Auslandsjahr auch niemals besucht. Ich wollte einfach die volle Dröhnung, wenn man es so sagen kann 🙂

Aber zurück zur Frage des Tages: „Warum denn nun eigentlich Japan?“

Wie wahrscheinlich bei vielen, die Interesse an Japan haben, fing es bei mir in der Kindheit mit Serien wie Pokemon, Dragonball, Inuyasha und Co. an. Glücklicherweise bin ich mit zwei tollen großen Brüdern aufgewachsen, die mich schon früh an die japanische Popkultur herangeführt haben. Nachdem ich dann meinen ersten Film vom Studio Ghibli gesehen habe (zu meiner Zeit war das „Prinzessin Mononoke“), hat mir dessen Macher Hayao Miyazaki spielend einfach das Herz gestohlen. Es wurde zu so viel mehr als nur die Liebe zu den den hübschen Zeichnungen und fantasievollen Geschichten über Dämonen und alte Götter.
Ich begann, mich intensiv mit Japan als einem realen Ort zu beschäftigen, den es irgendwo auf der Welt tatsächlich gab. Und bald wurde mir klar, dass dort nicht nur der Ursprung meiner geliebten Geschichten liegt, sondern auch das gesamte Gedankengut, was hinter diesen steht. Und wie könnte man dieses besser verstehen, als sich die Sprache anzueignen und mit den Menschen dort zu kommunizieren?
So begann in mir ein Traum zu reifen, den ich bis heute verfolge und dem ich mich immer mehr annähere. Ich habe schon vor dem Studium während meiner Schulzeit damit begonnen, mir Japanisch im Selbststudium beizubringen (was mir mehr schlecht als recht gelungen ist, aber das wird vielleicht später noch zu einem eigenen Blog Eintrag ;D ), habe Brieffreundschaften zu Japanern im Internet aufgebaut und und und. Mir wurde schnell klar, dass ich mein Studium ebenfalls in japanologische Richtung einschlagen musste, um meine Chancen zu erhöhen.
Aber nur Japanologie? Hmm.
Der Studiengang, den ich an der Hochschule Bremen gefunden habe, hat schließlich die perfekte Alternative geboten: Eine Mischung aus Japanischer Sprache, Kultur und Internationalem Management. An Letzterem habe ich, wie ihr euch denken könnt, nicht allzu viel Interesse. Doch wie sagt man so schön? Die Mischung macht’s. Ich denke mit einem Studium wie diesem kann man auf dem Arbeitsmarkt vielleicht doch etwas mehr anfangen, als mit reiner Japanologie.

Und wie soll ich sagen? Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe! 🙂
Auch wenn ich mich oft durchbeißen musste und auch das ein oder andere Mal mit Zweifeln zu kämpfen hatte – jetzt, wo ich mein langersehntes Auslandsjahr in Japan verbracht habe und ein paar Monate vor dem Bachelor stehe, weiß ich, dass es genau das Richtige für mich ist. Dass ich meinen Weg gehen kann, auch wenn von Außerhalb oft Zweifel laut werden.
Das ist auch der Ratschlag, dem ich jedem von euch mit auf den Weg gebe, der sich einer Sache noch unsicher ist, die er eigentlich unglaublich gern einfach ausprobieren würde:

Just do it!

Lasst die Skeptiker mal Skeptiker sein. Lasst die Leute über euch reden. Lasst sie zweifeln, euch belächeln, lasst sie machen.
Aber wenn ihr für eine Sache wirklich brennt, sei es nun ein bestimmtes Land, ein Hobby oder einfach eine verrückte Idee, dann steht hinter dieser Sache und versucht euer Ding durch zu ziehen. Es wird immer Menschen geben, die es nicht unbedingt billigen wollen, was ihr tut. Aber im Endeffekt kommt es doch darauf an, was ihr aus eurem Traum macht, oder? Darauf, dass ihr glücklich werdet, egal wie verrückt oder irrsinnig es sich in den Ohren anderer anhört.

Das einfach mal als Wort zum Montag! ^_^
Euch allen noch ein schönes verlängertes Wochenende!!

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7 Kommentare zu „„Warum eigentlich Japan?““

  1. Hallo Tara, ich fühle mich mit deinem Weg in die japanische Kultur verbunden. Vorallem der Satz „Ich begann, mich intensiv mit Japan als einem realen Ort zu beschäftigen, den es irgendwo auf der Welt tatsächlich gab“ finde ich sehr passend. Dieses große, unbekannte Land, das sich hinter den Animes versteckt und plötzlich auftut. 😉 Packt einen einmal das Interesse für Japan, lässt es dich nicht mehr los. (Danke, dass du auf meinen Blog warst. Ich freue mich, deine Bekanntschaft zu machen).

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    1. Hallo Flora,
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Freut mich ebenfalls sehr, dich kennenzulernen 🙂

      Kann dir da nur Recht geben: Wer einmal dem Japan-Fieber verfällt, der kommt so schnell nicht mehr davon los! 😉

      Liebe Grüße 🙂

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        1. Oooh, das Gefühl kann ich super gut verstehen 🙂 So ähnlich ging es mir nach meinem ersten Aufenthalt damals auch. Klar war zwar, dass ich (möglichst auf Dauer) wiederkommen will, aber wie und wann und Gedanken wie „Oh mein Gott, ich kann doch meine Familie nicht zurücklassen!“ kamen mir dann doch für eine Weile in die Quere 🙂

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