Japanisch, Deutsch, Englisch …?

In letzter Zeit werde ich immer häufiger gefragt, ob mein Freund und ich uns eigentlich auf englisch unterhalten oder er sogar Deutsch spricht. Und wie die Kommunikation zwischen uns überhaupt läuft, ob es nicht manchmal problematisch sei.
Kommunikation ist für Paare das allerwichtigste Gut, ob nun durch die selbe Muttersprache oder eben im Mischmasch aus mehreren. Egal, ob man ein internationales Pärchen ist oder die bessere Hälfte im selben Kultur- und Sprachkreis aufgewachsen ist wie man selbst. Wenn es mit der Kommunikation nicht klappt, haben wenige Beziehungen Aussicht auf ein erfolgreiches Bestehen.

Ich spreche da leider aus eigener Erfahrung. Meine bisherigen Beziehungen sind zum großen Teil am Fehlen der gemeinsamen Sprache gescheitert, obwohl diese Männer, wie ich selbst, in Deutschland leben und groß geworden sind. Am Deutschen selbst kann es also nicht gescheitert sein, denn das beherrsche ich in doch recht passablem Maße, wie ich finde. (Genannte männliche Geschöpfe übrigens ebenso)
Allerdings findet Kommunikation auf so vielen Ebenen neben der eigentlichen Sprache statt. Wenn man die Signale, Zeichen und die Körpersprache des anderen nicht kennt / kennen will, dann nützen auch die richtigen Worte nichts. Andersherum genauso. Jemand kann mir noch so inbrünstig das Blaue vom Himmel versprechen – wenn seine Handlungen oder das alltägliche Verhalten nicht damit übereinstimmen, kann ich damit nicht viel anfangen. Ich hatte leider schon das Glück, mit beiden Arten der Fehlkommunikation konfrontiert zu werden. Beide Male ist es nicht gut ausgegangen. Nun ja, eine Lehre habe ich zumindest daraus gezogen: Ich bin vorsichtiger geworden und kann mittlerweile ganz gut einschätzen, wer es gut mit mir meint und wer nicht.

Um zum eigentlichen Punkt zurückzukommen: Mein Freund und ich sprechen auf japanisch miteinander.

Ihm geht es wie vielen Japanern: Er hatte in der Schule genauso viel Englischunterricht, wie ich an einer deutschen Schule. Allerdings kann man in japanischen Klassenräumen, zumindest wenn es um die englische Sprache geht, nicht unbedingt von qualitativ hochwertigem Unterricht sprechen, in dem die Kinder lernen, eine Fremdsprache aktiv einzusetzen. Demzufolge versteht er zwar sehr viel, spricht aber extrem ungern englisch.
Manchmal tun wir es trotzdem, vor allem wenn ich etwas auf Japanisch nicht zu formulieren weiß. Oder eben einfach, wenn ich ihn motivieren will, ein bisschen zu üben. Aber ich dränge ihn zu nichts, denn unsere Kommunikation auf Japanisch läuft sehr gut und ich möchte, dass er sich wohlfühlt, wenn wir miteinander reden.

Ich für meinen Teil lerne nun seit 3 Jahren ziemlich intensiv Japanisch in der Universität. Nach dem Auslandsjahr beschäftigen wir uns dort mit Wirtschaftsjapanisch und reden mit unserer Dozentin ausschließlich auf Japanisch. Doch dass mein persönlicher Lernfortschritt ein akzeptables Maß erreicht hat, verdanke ich vor allem den täglichen Gesprächen mit meiner besseren Hälfte.
Übung macht also tatsächlich den Meister.
Am Anfang unserer Beziehung hatte ich nicht allzu viel Selbstbewusstsein was meine Kenntnisse der Sprache betrifft, aber anscheinend reichte es als Grundlage aus, denn es gab niemals Zeiten, in denen er und ich uns nicht verstanden hätten. Das liegt allerdings zu einem großen Teil an dem, was ich eben schon angeschnitten hatte: Neben den Worten stimmt bei uns auch die nonverbale Kommunikation – wir verstehen nicht nur Mimik und Gestik des anderen, wir wissen sie auch zu deuten und ich für meinen Teil kann mir daraus immer sehr viel erschließen, selbst wenn man im Redefluss mal die ein oder andere Vokabel nicht kennt.
Außerdem ist er sehr geduldig mit mir. Er hilft mir oft beim Lernen für die Uni, zeigt mir wie man Kanji richtig schreibt oder erklärt Grammatik-Formen, aus denen ich selbst nach stundenlangem Überlegen nicht schlau werde. Mittlerweile fühle ich mich dank ihm so sicher im Grundgerüst der Sprache, dass es mir nicht mehr unangenehm ist, mit meiner Dozentin auf Japanisch zu sprechen (auch wenn mir manchmal Formen herausrutschen, die man seinem Lehrer gegenüber aus Respektgründen nicht benutzen sollte 😀 先生、本当にすみませんでした。)
Darüber bin ich unglaublich glücklich, denn was ich schon immer wollte, ist mit der Sprache umgehen zu können, die ich so faszinierend finde. Ich bin noch weit davon entfernt, mich als „flüssig“ oder „bereit für den rein japanischen Arbeitsmarkt“ zu bezeichnen. Im Japanischen ist es generell die Frage, ob man dieses Level überhaupt jemals erreichen kann, egal wie sehr man sich anstrengt oder wie lange man im Land lebt. Dieses Thema ist allerdings so ausschweifend, dass ich darüber irgendwann nochmal einen eigenen Eintrag schreiben sollte 🙂

Fakt ist auf jeden Fall, dass ich mich manchmal richtig schlecht dafür fühle, dass ich so vieles von ihm lerne, während er niemals auch nur angedeutet hat, dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Ich habe ihm angeboten, dass wir wann immer er möchte Englisch üben können oder auch Deutsch, wenn er Lust hat. Mehr kann ich wohl nicht tun, denn ich möchte ihn wie gesagt nicht dazu drängen, in einer ihm befremdlichen Sprache mit mir sprechen zu müssen.
Ich fühle mich mit unserem Japanisch sehr wohl, daher stellt es für mich kein Problem dar, dass wir zu 98% seine Muttersprache benutzen anstatt einer von meinen.

Wir müssen uns alle wieder mehr daran erinnern, dass 1000 Worte manchmal nicht das sagen, was eine einzelne Geste zu vermitteln vermag. Oder ein Blick. Oder ein gesunder, liebevoller Umgang miteinander.
Solange ich spüren kann, dass seine Gefühle mir gegenüber echt sind, ist mir egal ob wir auf japanisch, deutsch, englisch oder timbuktuanisch miteinander sprechen. Was zählt ist, dass wir uns immer alles sagen können. Dass wir einen respektvollen, zärtlichen Umgang miteinander haben. Ich habe aus meinen vorherigen – nennen wir es „Fehlkommunikationen“ anstatt gescheiterte Liebe 😉 – gelernt, dass dies durchaus nichts Selbstverständliches sein muss. Daher bin ich dankbar für jedes Lächeln, dass ich in sein Gesicht zaubern kann und für jeden freudigen Satz, den mein Herz hüpft, wenn ich ihn sehe.

Wie läuft es mit der Kommunikation in euren Beziehungen, egal ob nun auf der selben oder einer Fremdsprache? 🙂

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10 Kommentare zu „Japanisch, Deutsch, Englisch …?“

    1. Auf Italienisch ist aber auch echt cool! Dann kennst du bestimmt auch den Struggle, wenn man verzweifelt nach den richtigen Umschreibungen für ein Wort fischt, wenn es auf Englisch nur Fragezeichen in seinem Gesicht hinterlässt, oder? 😀 😀

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  1. Toller Bericht! Ich bin absolut deiner Meinung. Ich lerne Singhalesisch, was sich als eine ziemliche Herausforderung zeigt…. vor allem da es hier keine Kursangebote gibt. Ansonsten bin ich noch ein grosser Fan der Nonverbalen kommunikation. Kann teilweise ziemlich lustig werden und trotzdem funzts schon seid 3 Jahren😋

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    1. Hallöchen! 🙂
      Also erstmal: Singhalesisch, wow! Ich musste erstmal ein bisschen googlen und auf deinem Block stöbern, wie diese Sprache überhaupt aussieht. Scheint auf jeden Fall super anspruchsvoll, aber auch total interessant 🙂 Und ja, die gute alte nonverbale Kommunikation… ich mag sie auch nicht missen. Wenn man in seiner Muttersprache spricht, geht diese nur allzu gern unter.

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  2. Na ja, er hat ja auch was davon: Er muss kein Deutsch mit dir sprechen! 😀

    Als ich meinen Verlobten traf, hatte ich schon den JLPT N1 und tatsächlich auch fließend sprechen (wofür der Test ja nun gar kein Indiz ist) und mich stören eher Kommentare wie, „ach, SIe sprechen Japanisch? Da steckt sicher ein Mann dahinter!“ Letztens echt so im Büro gesagt bekommen.

    Übrigens glaube ich, dass man sich oft gerade mehr Mühe bei der Kommunikation gibt, wenn man weiß, der Andere könnte einen vielleicht nicht verstehen. Mit Deutschen hat man oft Missverständnisse, weil man denkt, es wäre ja alles klar.

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    1. Solche Kommentare nerven mich aber auch oft. Vor allem wenn man triviale Standard Phrasen im Konbini oder so fallen lässt und dann direkt das 日本語上手ですね!kommt 😀
      Ist ja irgendwie schön, dass Japaner es so hoch schätzen, wenn man als Ausländer die Sprache lernt, oder (wie in deinem Fall) fließend beherrscht. Aber dieses „DU sprichst Japanisch?“ empfinde ich auch eher als Angriff, haha.

      Ich finde auch, dass die Kommunikation auf diese Art und Weise irgendwie umsichtiger funktioniert. Manchmal ist es zwar schon hart, sich gegenseitig zu 100% zu verstehen, aber man achtet eben direkt auf so viele andere Sachen… Körpersprache etc. Man lernt den Partner irgendwie noch auf einer anderen, tiefen Ebene kennen und ja, das hatte ich in meinen vorherigen Beziehungen nie 🙂

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