Real Talk: Zukunftsplanung in einer Fernbeziehung

Es ist noch nicht lange her, da führte ich mit meiner besten Freundin ein langes Gespräch darüber, wie sehr wir uns in vielen Dingen von einander unterscheiden. Das ist durchaus etwas sehr Schönes, denn dadurch war es schon seit dem Beginn unserer Freundschaft vor mittlerweile über 10 Jahren stets so, dass wir uns gegenseitig super ergänzen konnten.
Ich bewundere sie für ihre Stabilität, ihre rationale Art an emotionale Probleme heranzugehen und die innere Ruhe, die von ihr ausgeht, wenn sie einen Raum betritt. Wenn ich in ihrer Nähe bin, entspannt sie mich durch ihre bloße Anwesenheit. Und in Momenten, in denen ich mit meinem oftmals doch recht ungestümen Lebensstil etwas aus der Realität abzuheben drohe, holt sie mich sicher auf den Boden der Tatsachen zurück.
Um es mal etwas nerdy auszudrücken: Wenn sie das vorausschauende, kluge Pflanzen-Pokemon ist, dann bin ich der risikobereite Feuertyp, der manchmal in die Bresche springt, ohne  gut genug darüber nachgedacht zu haben.

Worauf ich mit diesem ganzen Gerede hinaus will: Wenn es nach ihr ginge, würde sie mich am liebsten in Deutschland behalten und meine bessere Hälfte direkt aus Japan mit einfliegen lassen.
Aber so einfach ist das Ganze leider nicht. Und das war mir von dem Moment an bewusst, in dem ich mich auf die Beziehung zu meinem Freund eingelassen habe.

So mancher aus meinem Familien- und Bekanntenkreis fragt sich mittlerweile zwar einerseits, wie es mit uns beiden weitergehen wird. Andererseits sehe ich viele belustigt mit dem Kopf schütteln, wenn ich dann von unseren bisherigen Plänen erzähle.
„Ihr seid doch beide noch so jung!“
„Lass euch doch noch Zeit mit so wichtigen Entscheidungen.“
„Und überhaupt, was passiert wenn alles doch nicht so funktioniert, wie ihr euch das vorstellt?“
Dazu kann ich nicht mehr sagen, als dass jeder selbst wissen muss, wie er sich mit seinem Partner fühlt, egal ob nun in einer Fern- oder einer normalen Beziehung. Es kann immer passieren, dass etwas „nicht so funktioniert, wie man es sich vorstellt“. Dazu kann man erst ein Jahr zusammen oder aber ein seit 25 Jahren verheiratetes Paar mit drei Kindern sein. Schief laufen kann es bei jedem, zu jeder Zeit und aus den verschiedensten Gründen.
Wenn ich bisher eine Lehre aus meinem zugegeben erst kurzem Leben gezogen habe, dann die, dass man nichts für Selbstverständlich halten und immer an sich selbst arbeiten muss. Das hat nicht viel mit unserem Alter zutun und erst recht nichts mit dem Partner. Es kommt immer zuerst auf einen selbst an und darauf, wie man vorhat, sein Leben zu führen.

Der Punkt, an dem nun die Fernbeziehung ins Spiel kommt, ist ein ganz simpler: Die Entfernung.
Die sollte man mit ihren fast 10.000 Kilometern nämlich nicht herunterspielen. Für uns fühlt es sich dadurch ganz natürlich an, schon nach 8 Monaten Pläne für unsere GEMEINSAME Zukunft zu schmieden. Jetzt werde ich sicherlich so manchen schocken, wenn ich sage, dass wir sogar schon nach den ersten Wochen darüber gesprochen haben.
Wir haben von Anfang an ausgeschlossen, dass das zwischen uns nur eine „Beziehung auf Zeit“ werden wird. Dafür haben wir im anderen zu sehr den Partner gefunden, nach dem wir schon sehr lange gesucht haben. Und – oh Wunder – das war dann natürlich schon das ein oder andere Mal Auslöser für Gespräche über Auswanderungen in jeweils die eine als auch die andere Richtung. Vom Heiraten, vom Familie zusammen groß ziehen (Bilinguale Spracherziehung? Reine japanische Schulbildung oder International School? Können wir uns das überhaupt leisten? etc. etc. etc.)

Gemeinsam (über)leben – wo, wann, unter welchen Konditionen und Kompromissen?
Japan hat eine sehr eigene Ansicht auf manche Dinge, vor allem was  ganz grundlegende Fragen wie das Leben als (Ehe)Paar oder die Kindererziehung angeht. In zwei völlig verschiedenen Kulturkreisen erzogen, war es daher für uns beide eine wichtige Sache, früh über unsere jeweiligen Vorstellungen vom Leben zu sprechen. Immerhin will man vor dem „Ernstwerden“ einer solchen Beziehung wissen, auf was man sich einlässt.
Wenn ich so darüber nachdenke, waren diese Gespräche damals etwas eher Rationales. Also kein sentimentales Geträume getreu dem Motto: „Wie könnte es einmal werden, wenn wir heiraten, Kinder bekommen, ein Haus bauen …“
Man könnte es eher als kritisches Ausloten des Anderen betrachten. Nicht sehr romantisch, oder? Dadurch aber auch weniger gefährlich, denn eins weiß ich: In all meiner Spontanität und den verrückten Dingen, die ich so tue, würde ich mich nie kopflos in eine Auswanderung zu einem Mann stürzen, der mich am Ende vom Lied in einem fremden Land sitzen lässt, womöglich noch mit Kindern und Hausrat am Hals.
Der Umstand, dass wir uns in allen Punkten einig sind, was das angeht, spielt uns dabei natürlich nur positiv in die Karten. Und mittlerweile erlauben auch wir uns das ein oder andere Mal sogar das rosarote Träumen 🙂

Eines steht allerdings fest: Rein logisch und vollkommen unromantisch betrachtet, hat er in Deutschland nicht im Geringsten die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die ich nach meinem Uni-Abschluss auf dem Japanischen haben werde.
Selbst wenn er es mir zu Liebe ausprobieren würde … mit seinen „Hallo und gute Nacht“-Deutschkenntnissen und dem japanischen Standards entsprechend ausreichenden Englisch (das in Europa eben einfach nicht reicht) bezweifle ich, dass er auf Dauer glücklich hier werden würde. Selbst wenn er sich ab heute hinsetzt und jeden Tag beide Sprachen bis zur Erschöpfung büffeln würde, so ist er trotz seiner ganzen Offenheit immer noch Japaner und seiner Heimat sehr tief verbunden.
Deutschland würde ihm gefallen, ja. Aber sich auf die Art und Weise zu Hause fühlen, wie er es in Japan tut, das würde hier nicht klappen. Und das verstehe und respektiere ich vollkommen.

Bei mir verhält sich das Ganze etwas anders. Wie der Name des Blogs schon sagt, hat mich bereits im sehr jungen Alter das Reisefieber gepackt. Ich habe mit 14 das erste Mal für mehrere Monate in Brasilien bei einer Gastfamilie gelebt. Danach hat es mich mit 18 noch einmal für 4 Wochen an die Australische Ostküste verschlagen. Und Japan war schon immer das Land meiner Träume, was sich bestätigt hat, als ich dort ein Jahr verbracht habe. Zu einer meiner größten Stärken gehört, mich kulturell schnell an neue Umgebungen und Umstände anpassen zu können. Außerdem liebe ich Sprachen, stürze mich unglaublich gern in Abenteuer und kann mir mittlerweile kaum einen anderen Ort zum Aufbauen einer Existenz vorstellen, als Japan.

Manchmal kommt es vor, dass Stimmen laut werden, er würde sich eventuell nicht genügend um die Beziehung bemühen, wenn er nicht in Betracht ziehe, deutsch / englisch zu lernen um mit mir in Deutschland zu leben.
Dazu kann ich ebenfalls nur eins sagen: Er würde niemals von mir verlangen, mich vollkommen seiner Kultur und seinen Vorstellungen zu beugen. Im Gegenteil: Ich will versuchen, mit ihm in Japan zu leben. Ich liebe seine Kultur, seine Wertvorstellungen. Das Land mit all seinen Ecken und Kanten. Dort kann ich vielleicht dauerhaft glücklich werden. Dieses Gefühl ist es, das mich dort hin zieht, nicht die Verblendung durch einen Mann 🙂

Doch mehr, als mit ihm an einem Ort zu leben, an dem wir beide uns ohne Druck zu Hause fühlen und entfalten können, möchte ich im Endeffekt gar nicht 🙂
Dafür gestaltet sich Japan in unserer bisherigen Planung einfach ideal. Vielleicht ändert sich daran im Laufe der Zeit noch einmal etwas, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon so genau? So sehr unterscheiden sich Fernbeziehungen in diesem Punkt also gar nicht von anderen ihrer Art, sie sind eben nur etwas … exotischer gefiedert? 🙂
Die Art, wie er mir das Gefühl gibt, dass wir gemeinsam alles schaffen können, ist so ziemlich das genaue Gegenteil von allem, was ich in bisherigen „normalen“ Beziehungen erlebt habe. Ein gutes Fundament also, um im nächsten Jahr nach Abgabe der Bachelor Arbeit den ersten großen Schritt in die hoffentlich richtige Richtung zu tun, wie ich finde 😉

 

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4 Kommentare zu „Real Talk: Zukunftsplanung in einer Fernbeziehung“

  1. Hach ich finde mich einfach so in deinen Gedanken wieder! Unglaublich..und ich finde es richtig mutig dass ihr vielleicht schon bald diesen Schritt gehen werdet! Aber wenn du dort gute Chancen auf einen Job hast ist es wirklich perfekt 🙂 hast ja schon gelesen, dass das bei mir der Punkt ist an dem es noch mit der Entscheidung hakt 😀

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    1. Das freut mich zu hören ❤ Geht mir bei deinen Texten ja auch so!
      Also das mit den Job Chancen wünsche ich mir natürlich so und ich versuche es dann dort umzusetzen – wie es allerdings dann tatsächlich vor Ort aussehen wird bleibt abzuwarten ^^
      Aber da darf man eben einfach nicht aufgeben und muss sich ein bisschen durchbeißen. Ich hoffe bei euch beiden wird sich da auch bald etwas ergeben, drücke dir ganz dolle die Daumen ❤

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  2. Hallo liebe Tara,
    ich finde es toll wie du, rational aber auch emotional, das Thema hier besprichst. Ich finde es auch bewundernswert wie offen du damit umgehst und ich lese trotz des „real talk“ deine Zuneigung heraus. Ich wünsche Euch wirklich alles Glück und das ihr euren Weg finden werdet – egal wie dieser aussieht. Und viel Erfolg bei der BA!
    Liebe Grüße,

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    1. Danke für deine lieben Worte ❤
      Ein bisschen Rationalität muss man sich bei dieser Art der Beziehung schon bewahren, ansonsten kann das schnell mal in eine große Enttäuschung münden…
      Allerdings hat mein Partner es mich bisher auch nicht ein mal bereuen oder daran zweifeln lassen 🙂
      Liebe Grüße an dich zurück 🙂

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