Die 3 Phasen des Japanisch Lernens

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie viele Sprachen es eigentlich auf der Welt gibt?
Das ist nicht leicht zu beantworten. Man denke nur mal an die vielen verschiedenen Dilakte; an Urvölker; kleinste Abweichungen, selbst im gleichen Sprachraum … Alles eine Auslegungssache also?
Die Linguistic Society of America beruft sich in einer Schätzung auf insgesamt 6900 Sprachen. Gut 7,5 Milliarden Menschen sprechen auf unserer Welt also in 6900 Sprachen miteinander. Von diesen 7,5 Millarden Menschen verständigen sich 1.92% auf Japanisch…

… die meisten natürlich in Japan selbst. 🙂
Man kann also tatsächlich nicht behaupten, dass man außerhalb von Japan viel mit dieser Sprache anfangen könnte. Muss man auch gar nicht – ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen, die ernsthaft Japanisch lernen, tatsächlich etwas mit dem Land zutun haben wollen.
Ist dies nicht der Fall, kommt es bei einem Großteil der Schüler zu mehreren Symptomen, die über kurz oder lang den Weg zum Aufgeben der Mühe ebnen: Frustration schleicht sich ein, erst unbemerkt.
Die Frage nach dem „Warum tu‘ ich mir das eigentlich an“ folgt dem ersten Stadium meist recht schnell. Ich denke, an diesen Punkt kommen wir alle während unseres Lernprozesses, doch hier muss es Klick machen – habe ich eine Motivation, die mich weiter treiben wird?
Ist dies nicht der Fall, dauert es bei vielen nicht lang, bis schließlich die dritte und zugleich kritischste Phase eintritt: Entweder sie überwinden das Tief und finden ihre Motivation wieder. Oder sie geben auf. Der Patient ist tot.
Ich habe das in meinem Studiengang nicht selten beobachten können. Bei manchen ging es schneller, andere trugen den Kampf länger aus. Aber eins steht fest – unsere Gruppe ist in den letzten 3 Jahren beträchtlich geschrumpft.

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Für uns Europäer oder Westler generell ist das Erlernen von Sprachen aus dem asiatischen Raum alles andere als ein Zuckerschlecken. (Anders herum übrigens genauso!)
Ich selbst erwische mich immer wieder bei dem Gedanken, wie sehr ich Menschen respektiere, die Chinesisch oder Hindu lernen. Das selbe denken einige sicher auch, wenn sie hören, dass jemand sich mit Japanisch als Fremdsprache beschäftigt. Es ist eben wirklich etwas anderes, als Kurse in Englisch, Spanisch oder Französisch zu belegen. (Womit ich natürlich nicht behaupten möchte, diese Sprachen wären leicht zu erlernen – an mein Schulfranzösisch erinnere ich mich selbst nur ungern zurück 😉 )

Ich persönlich habe im Lernen dieser Sprache eine ganz persönliche Leidenschaft entdeckt, die mich mittlerweile auf angenehme Art und Weise erfüllt. Das war aber bei Weitem nicht immer so. In meinem Fall lief die Symptom-Kurve in etwa so ab:

1. Phase: Die beflügelnde Freude, endlich Japanisch lernen zu dürfen.
Beginn? Direkt zu Anfang des Studiums. Dauer? Etwa die ersten paar Monate. Überlebte nicht sehr lange, um ehrlich zu sein. Spätestens, als der erste zusammenfassende Test über alle Schriftzeichen geschrieben wurde, die wir bis zu diesem Zeitpunkt (theoretisch) hätten kennen müssen, stürzte ich ab in die …

2. Phase: Trotz, Verzweiflung, Zweifel 
Beginn? ca. im dritten Semester. Dauer? Zog sich bis in die ersten Wochen des Auslandsjahres.
„Warum tue ich mir das Ganze gleich nochmal an? Wie war das mit dem Studiengangswechsel innerhalb der Hochschule? Welches normale menschliche Wesen soll sich Tausende von komischen Zeichen einprägen können, ohne dass der Kopf dabei aus allen Nähten platzt? Verdammte Axt, ich kriege doch nicht einmal vor meiner Lehrerin einen ordentlichen Satz raus, ohne anzulaufen wie eine überreife Tomate. Grammatik-Test Dienstag, Kanji-Test Freitag. Und ich kann … ja, was? Nichts eigentlich.“

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!!! Hier kommt nun der oben schon beschriebene, kritische Punkt. Wir können den Patienten noch über den Berg bringen, wenn dieser seinen Überlebenswillen noch nicht komplett über Bord geworfen hat !!! 

3. Phase: Oh, ich stelle mich ja doch nicht ganz so blöd an…!
Beginn? (Hoffentlich) Spästens, wenn man die Sprache auch wirklich anwendet.
Der Knack-Punkt kam in meinem Fall tatsächlich in Japan selbst. Ich habe mich durch die Theorie der letzten zwei Semester zuvor ziemlich durchbeißen müssen. Aber als ich dann merkte, dass die Menschen dort mich tatsächlich verstehen konnten, gab mir das einen Aufschwung. Fast vergleichbar mit Phase 1, richtig beflügelnd also. Und glücklicherweise hält das bis heute an.

Klar gab und gibt es auch in dieser Zeit immer mal wieder Dämpfer. Aber Erfolgserlebnisse sind wichtig, um auf dem richtigen Kurs zu bleiben und sich nicht von demotivierenden Phasen überrollen zu lassen.
Wer sich wirklich in Land, Kultur und Leute verliebt, der findet meiner Meinung nach immer wieder den Antrieb, sich aus solchen Tiefs hervor zu kämpfen. Hier kommt es wirklich auf Motivation und Ziele an.
Japanisch ist keine Sprache, bei der man sich als Ziel das Flüssig-Werden setzen sollte. Perfektion ist hier vor allem in den ersten Lehrjahren eher fehl am Platz und führt in meinen Augen nur zu falschen Erwartungen, die dann wiederum in ein negatives Umschlagen von Phase 3 münden können.

Denn wie sagte schon Konfuzius lange vor unserer Zeit?
„Der Weg ist das Ziel.“
(Übrigens auf Chinesisch, jaja 😀 )
Ich glaube, mit diesem Satz kann man das Japanisch Lernen sehr gut zusammenfassen. Man braucht Ausdauer und Motivation. Ein Tropfen Leidenschaft kann in der Mixtur auch nicht schaden. Dann kämpft man sich auf Dauer auch erfolgreicher durch die tiefen Täler der grammatikalischen Grundformen und den Dschungel aus ineinander verrankten Schriftzeichen.

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6 Kommentare zu „Die 3 Phasen des Japanisch Lernens“

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