Wie kommt man eigentlich (dauerhaft) nach Japan?

Eine Frage, mit der sich jeder über kurz oder lang auseinander setzen muss, der den Wunsch hegt, für längere Zeit (oder für immer?) im Ausland zu leben. Jedes Land hat seine eigenen, individuellen Einreise- und Einwanderungsbestimmungen – als Tourist kommt man heutzutage zumindest mit unserem deutschen Pass so ziemlich überall problemlos über die Grenzen.
Doch wie sieht es aus, wenn der Aufenthalt die gestattete Zeit für ein normales Touristenvisum überschreitet?

So, du willst also nach Japan? Da applaudiere ich dir erst einmal leise aus dem Hintergrund, denn nicht viele Ausländer entscheiden sich dazu, auf Dauer ins Land der aufgehenden Sonne zu reisen.
Doch bevor wir auf die rechtlichen Komponenten zu sprechen kommen, möchte ich dir eine Frage stellen: Bist du dir wirklich über die Tragweite deines Wunsches, in Japan zu leben (und zu arbeiten) im Klaren?
Ich stelle diese Frage nicht umsonst. Im Laufe der Jahre, in denen ich mich nun schon mit Land und Leuten beschäftige, habe ich viele Menschen getroffen, deren drängendster Wunsch allein darin bestand, irgendwie nach Japan zu kommen – egal wie, wann und unter welchen Bedingungen. Hauptsache an den Ort, den sie sich selbst (oft auf der Basis von schillernden Anime Filmen oder Computerspielen) als nahezu religiöses Zentrum der Welt auserkoren haben.
Vorweg – Japan ist großartig, daran besteht kein Zweifel.
ABER: Japan ist kein Ort, an dem jemand an der Einreisekontrolle am Flughafen mit einem glitzernden Zauberstab wedelt und puff, all eure Probleme und Sorgen lösen sich mit einem Schlag in Vergessen auf. Die falschen Erwartungen an euren Aufenthalt können euch diesen also sehr schnell zunichte machen.

Normalerweise ist nämlich eher das Gegenteil der Fall: Jede Auswanderung ist mit großem Risiko und vor allem viel Aufwand verbunden, sowohl in persönlicher, als auch in finanzieller Hinsicht. Indem ihr euch entscheidet, für eine längere Zeitspanne nach Japan zu gehen, macht ihr euer Leben also nicht unbedingt einfacher.
Fühlt ihr euch allerdings der Aufgabe gewachsen und habt eure Entscheidung ausreichend durchdacht, steht der Reise nicht mehr viel im Wege … Bis auf die Einreisebestimmungen natürlich, die in Japan verglichen mit anderen Ländern doch eher streng gehandhabt werden.
Kommen wir doch mal ganz konkret zu ein paar Möglichkeiten, die uns als deutschen Staatsbürgern offen stehen:

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Reisen ist nicht immer einfach – manchmal ist der Weg steil und steinig. Doch wer das Abenteuer nicht wagt, wird niemals die Aussicht von ganz Oben genießen können…

1.) Touristenvisum:
Wie oben schon erwähnt, ist ein touristischer Aufenthalt kein Problem, so lange dieser eine Grenze von 90 Tagen nicht überschreitet. Man muss man dieses Visum im Voraus nicht einmal anmelden, sondern bekommt es automatisch am Flughafen in den Reisepass gestempelt.
Selbst wenn ihr also im Voraus keine Arbeitsstelle oder Universität (oder japanischen Ehepartner 😉 ) gefunden habt, die euch aus Japan heraus mit einem langfristigen Visum unterstützen, könnt ihr überlegen, das Risiko einzugehen und vorerst nur mit einem Touristenvisum einzureisen. Dieses kann man nach den ersten 90 Tagen auf 180 Tage erweitern lassen, danach muss man das Land dann aber auf jeden Fall vorerst wieder verlassen. Unterm Strich macht das etwa ein halbes Jahr, in dem man Zeit hat, sich einen Job zu suchen, der im Endeffekt dann auch das Visum aus seinen touristischen Schuhen hebt.
Diese Method kann funktionieren, erfordert allerdings einen ausreichenden Puffer an eigenen finanziellen Mitteln, denn als Tourist darf man in Japan KEIN eigenes Geld verdienen.

2.) Studentenvisum:
Wenn ihr euer Studium an einer japanischen Uni absolvieren wollt, bekommt ihr für diese Zeit ein Studentenvisum von der deutschen Botschaft ausgestellt. Dafür müsst ihr allerdings eine originale Version des „Certificate of Eligibility“ vorlegen – eine Art Zertifikat eures Bürgen (in diesem Falle der Universität) in Japan, das eure Eignung für das Visum bestätigen soll. Da dieses Zertifikat in Japan in der jeweiligen Einwanderungsbehörde eurer zukünftigen Heimatstadt erstellt und geprüft werden muss, solltet ihr für den gesamten Prozess der Beantragung eures Visums genügend Zeit  vor der Abreise einplanen. Bis die Originale aus Japan fertig sind und in Deutschland eintreffen, können gut und gerne 1-3 Monate vergehen.
Das Ausstellen des Visums selbst in der deutschen Vertretung dauert dann allerdings meist nicht länger als einige Tage. Aber aufgepasst: Auch hier muss unbedingt der finanzielle Aspekt beachtet werden!! Studieren in Japan ist in der Regel unglaublich teuer und für Ausländer meist nur durch Stipendien stemmbar. Informiert euch also  rechtzeitig (mindestens ein Jahr vor Studiebeginn) nach Angeboten, zum Beispiel beim Deutschen Akademischen Austauschdienst.
(Achtung: Dieses Visum gilt nur für die Zeit eures Studiums!)

3.) Arbeits- oder Praktikantenvisum:
Wenn ihr schon vor eurem Abflug das Glück hattet, an einen Praktikums- oder gar „richtigen“ Arbeitsplatz in Japan zu gelangen, läuft die Beantragung dieses Visums ähnlich ab, wie beim Studentenvisum (Certificate of Eligibility, diesmal ausgestellt von eurem Arbeitgeber!)
Wer in Japan Geld verdient, muss dies unbedingt bei der Einwanderungsbehörde angemeldet haben. Passt also auf, wenn sich der Status eures Touristen- oder Studentenvisums ändern sollte. Japanische Behörden sind bei kleinen Verspätungen zwar meist nachsichtig, aber wir wollen die Gastfreundschaft ja nicht überstrapazieren 😉
Nähere Informationen zu den verschiedenen Arten eines Arbeitsvisums findet ihr hier.

4.) Ehegattenvisum:
Selbsterklärend – ist euer Partner japanischer Staatsangehöriger, könnt ihr ein Ehegattenvisum beantragen. Viele halten dies für den einfachsten Weg, dauerhaft in Japan leben und Fuß fassen zu können, da die anderen Arten des Visums uns nicht klar dazu berechtigen, in Zukunft auch in Japan bleiben zu können.
Schließt man jedoch eine Ehe mit einem Japaner, gehen die japanischen Behörden wohl davon aus, dass man vor hat, länger dort zu leben 😉
Ein wichtiger Punkt ist allerdings, dass euer Partner dazu in der Lage sein muss, euch zu finanzieren. Sprich: Es müssen Arbeitsverträge oder Bürgschaften vorgelegt werden, ansonsten ist es schwierig, an dieses Visum heranzukommen. Mir wurde auch gesagt, dass der Prozess des Beantragens ziemlich frustrierend sein kann. Klar, die japanischen Behörden wollen immerhin sichergehen, dass sie nicht mit Schein-Ehen übers Ohr gehauen werden.

5.) Working Holiday Visum:
Deutsche Staatsbürger können sich glücklich schätzen: Wir sind eines der auserkorenen Länder, die passionierte, junge Menschen nach Japan entsenden dürfen, um dort … ja, was nun eigentlich? Arbeiten oder Urlaub? Oder beides?
Wie der Name schon sagt, sieht das Working Holiday Visum einen Aufenthalt für junge Leute vor, die (vorwiegend) Japan kennen lernen, sich das Geld für ihre Reisen allerdings im Land selbst verdienen möchten. Es gilt für 12 Monate und berechtigt uns dazu, alles mögliche an Jobs auszuprobieren (bitte nicht in Nachtclubs, Girlsbars oder anderen „sittenwidrigen“ Etablissements, ansonsten geht’s schneller zurück nach Deutschland als ihr „Gomennasai“ sagen könnt…)
Um dieses Visum zu bekommen, müsst ihr neben einem Lebenslauf, vorläufigem Reiseplan und einem kleinen Motivationsschreiben auch die nötigen finanziellen Mittel für euren Aufenthalt vorweisen können. Diese sind auf mindestens 2.000 Euro und den Besitz beider Flugtickets festgelegt. Wenn ihr nur ein Ticket gekauft habt, müssen zusätzliche 1.200 Euro euer Konto schmücken.
… hört sich fast so an, als wollte Japan sichergehen, dass es uns nach den 12 Monaten auch wirklich wieder los wird 😉
Für viele, die Japans Arbeitsmarkt beschnuppern wollen, ist der Weg mit diesem Visum wohl der Sicherste. Auch ich werde mein Japan-Abenteuer ab August als „Working Holiday-erin“ beginnen. Genauere Informationen zum gesamten Bewerbungsprozess etc. findet ihr dann natürlich hier, wenn es soweit ist.

Wie man sieht, gibt es viele Möglichkeiten, nach Japan zu kommen. Es wird schwieriger, je langfristiger man seine Zukunft dort planen möchte, doch wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg.
Informiert euch vor eurer Abreise auf jeden Fall so genau wie möglich bei der Botschaft von Japan in Deutschland, denn die Bestimmungen für Visa verändern sich eventuell zwischendurch. Da reicht es nicht unbedingt aus, im Internet nach Infos zu suchen.

Aber wie heißt es doch so schön? Viele Wege führen nach Rom. Oder eben nach Japan. Eigentlich überall hin – die Welt steht unserer Generation heutzutage offen, es wäre doch schade, diese Chance nicht einmal auszunutzen. 🙂

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… denn dort oben angekommen, kann man die eigene Welt aus einem ganz neuen Winkel betrachten. 🙂
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5 Kommentare zu “Wie kommt man eigentlich (dauerhaft) nach Japan?”

    1. Haha, naja darauf wird es bei uns im Endeffekt auch hinauslaufen, aber erstmal muss mein Freund mit der Uni fertig werden, damit er auch offiziell „für mich sorgen“ kann 😉
      Würde mich total freuen, dich mal zu treffen! Das können wir auf jeden Fall festhalten ❤

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  1. Ich würde gerne mal wieder längere Zeit in Japan leben, ganz wäre es aber nichts für mich, weil ich mich vor dem harten Arbeitsmarkt scheue. Wenn man jemanden kennen und lieben gelernt hat, sieht das natürlich ganz anders aus und du hast meinen größten Respekt, dass du das Abenteuer Umzug in ein fremdes Land auf dich nimmst.

    Bei meinem längeren Aufenthalt vor 7 Jahren war ich mit einem Travel & Work Visum in Japan. Das hatte ein wenig Vorlauf und vor allem ein Motivationsschreiben erfordert, auf das ich am liebsten „Ich will nach Japan! Ich will nach Japan! Ich will nach Japan!“ geschrieben hätte 😀 Es hat dann aber mit etwas mehr Text ohne Probleme geklappt. Ach, würd ich das gern nochmal machen. Schade, dass ich schon „zu alt“ bin dafür.

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    1. Auf den Arbeitsalltag bin ich auch schon sehr gespannt … Ich habe schon öfter gehört, dass es was das angeht für Japaner in Japan um einiges härter sein soll, als für Ausländer. Also mal schauen, wo mich das Ganze hinführt 🙂
      Ich muss auch dazu sagen, dass ich bereits vor dem Aufeinandertreffen mit meinem Partner oft darüber nachgedacht habe, es mit einem Leben in Japan zu versuchen. Nur war da die Machbarkeit und die Dauer des Vorhabens schwer abzuschätzen (eben auch wegen den harten Einwanderungsbestimmungen…)
      Das sieht jetzt natürlich etwas anders aus 🙂

      Ich habe auf deinem Blog gelesen, dass du insgesamt auch schon sehr viel Zeit in Japan verbracht hast! Eigentlich schade, dass man das Working Holiday Visum nur einmal beantragen darf… Bzw dass es dafür diese strenge Altersgrenze gibt. Kann mir vorstellen, dass deine Zeit damals wunderschön gewesen ist 🙂

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