Was studiert / lernt man eigentlich, wenn man nach Japan will?

In meinem „Über mich“-Post habe ich bereits grob verraten, womit ich bisher meine Brötchen verdiene – oder eben auch nicht. Momentan bin ich nämlich noch nichts mehr als eine kleine Studentin: Chronisch pleite, durch einen Studienkredit nicht unwesentlich verschuldet und natürlich nur am Meckern darüber, wie stressig mein Stundenplan ist.
Aber was genau studiere ich eigentlich?

Ja, die Frage ist berechtigt. Ich stelle sie mir selbst auch nicht selten 😉
Der offizielle Titel meines Studiengangs lautet: Angewandte Wirtschaftssprachen und Internationale Unternehmensführung mit dem Schwerpunkt Japan. Kurz AWS.
Weil sich das aber sowieso niemand merken oder etwas Sinnvolles darunter vorstellen kann, erzähle ich 90% der Menschen, die mich fragen, dass ich Japanologie und Internationales Management studiere, was es im Prinzip auch ganz gut zusammenfasst. Mal ganz ehrlich – Internationale Unternehmensführung? Das hört sich an, als könnte ich nach meinem Abschluss im dicken Chef-Sessel eines riesigen Konzerns hocken und von ganz weit oben auf mein Fußvolk hinabblicken… Was definitiv niemals passieren wird 😉

Da zu meinem Studiengang an der Hochschule Bremen ein Auslandsjahr in Japan obligatorisch dazugehört, habe ich eine Regelstudienzeit von 8 Semestern anstatt nur 6.
Zu 50% bestehen meine Fächer aus Japanologie, sprich: Sprache, Wirtschaft und Gesellschaft Japans. Die restlichen 50% setzen sich aus so spannenden Dingen wie BWL, VWL, Rechnungswesen und Wirtschaftsrecht zusammen.
Allerdings geht die Tendenz je nach Semester mal zur einen, mal zur anderen Seite. Es kommt natürlich auch darauf an, worauf man sich persönlich mehr konzentriert.
In meinen letzten beiden Semestern konnte ich außerdem einen Schwerpunkt aus den Bereichen Controlling und Finanzen (nein danke 😉 ), Marketing und Personalwirtschaft wählen.
Da ich die Arbeit mit Menschen aus Fleisch und Blut Zahlen oder dem Analysieren von Kundenwünschen vorziehe, habe ich mich für Letzteres entschieden.

Ich habe zwei Jahre vor meiner Abiturprüfung das erste Mal von diesem Studiengang erfahren und mich eigentlich sofort dafür entschieden, dass dieser es werden soll. Für andere Studiengänge habe ich mich gar nicht erst beworben, was viele als leichtsinnig erachtet haben.
Aber das ist in vielen Lebenslagen so meine Art: ich gehe auf ganz oder gar nicht und komme damit (toi toi toi) bisher auch ganz gut durch 🙂

Vor allem das fest in den Lehrplan integrierte Jahr in Japan überzeugte mich damals. Da das Studium selbst gespalten ist zwischen Japanologie und Wirtschaft gestaltet sich auch das Auslandsjahr dementsprechend: 6 Monate Studium an einer japanischen Partneruniversität unserer Hochschule, gefolgt von einem mindestens fünfmonatigen Praktikum in einer (japanischen / internationalen / deutschen) Firma in Japan.
Diese Aufteilung soll bezwecken, dass die Studenten durch intensive Japanischkurse an den Partnerunis sowohl sprachlich voran kommen , als auch den geschäftlichen Arbeitsalltag in Japan kennen lernen.

Hört sich doch sehr vielversprechend an, oder? Das Ganze noch in einer überschaubaren Klassenkonstellation von nicht mehr als 20 Mitstudenten stellte ich mir damals sehr angenehm vor. Das anschließende Bangen um den Studienplatz war dementsprechend nervenzehrend, doch ich hatte Glück und wurde angenommen.

Das ist nun schon über 3 Jahre her. In wenigen Monaten beende ich (hoffentlich erfolgreich) mein Studium und wenn ich so zurückblicke, weiß ich gar nicht, wo die Zeit geblieben ist.
Das Jahr in Japan war ohne Frage die schönste Erfahrung, die ich bisher in meinem Leben machen durfte. Ich habe ein halbes Jahr lang verschiedene Kurse an der Präfekturuniversität Shizuoka besucht, den Alltag im eher ländlichen Japan erlebt und bin schließlich für ein Praktikum im politischen Bereich für 5 Monate in Tokyo gelandet.  Allein für diese wundervollen Erfahrungen hat es sich gelohnt, aus dem schönen Osten nach Bremen zu gehen, um AWS zu studieren.

kenritsu
Die Präfekturuniversität Shizuoka, an der ich ein ganzes Wintersemester verbringen durfte

Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der nach Japan gehen möchte, unbedingt Japanologie (oder AWS 😉 ) oder überhaupt studieren muss.
Ein Studienabschluss ist allerdings durchaus hilfreich, wenn man auf eigene Faust versuchen will, sich in Japan eine Existenz aufzubauen. Viele Firmen (auch Sprachschulen etc.) setzen für die Vergabe eines Arbeitsvisums mindestens einen Bachelor Abschluss (am besten auf Englisch) voraus.
Ein Working Holiday Visum bekommt man hingegen schon nach dem Abitur (mit mindestens 18 Jahren) ausgehändigt, ohne vorher studiert haben zu müssen. Mutige könnten also auch versuchen, über dieses Visum eine langfristige Anstellung in Japan zu finden.

Für mich persönlich war das Studium eine gute Wahl, auch wenn schon nach wenigen Wochen feststand, dass ich mit dem wirtschaftlichen Teil nicht allzu viel anzufangen weiß.
Aber es gibt ja so einiges auf dem Arbeitsmarkt, das man ausprobieren kann. Immerhin kommt es eh immer anders, als man denkt. 🙂

Wie hat es euch nach Japan verschlagen und was genau tut ihr dort gerade?

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15 Kommentare zu „Was studiert / lernt man eigentlich, wenn man nach Japan will?“

  1. Hey Tara, das Studienfach klingt intetessant. Auch wenn der Wirtschaftsteil absolut nicht meine Welt ist.
    Ich habe 4 Semester moderne Ostasienwissenschaften mit Schwerpunkt Japan und Soziologie in Duisburg studiert. Der Studienaufbau ist dem deines Studiengangs sehr ähnlich (geteilte Inhalte Sprache/Fachdisziplin, Auslandsjahr und Studienzeit), allerdings wahren wir 50 Studenten im Jahrgang. Mir persönlich war das Thempo im Sprachkurs zu hart und ich habe nach 4 Semestern aufgeben müssen. Darüber ärgere ich mich im Nachhinein ziemlich, weil die Sprachschule jetzt tenau so hart ist. Nur ohne das ganze Uni-drumherum…
    Letztendlich bin ich durch die Jobchance meines Freundes nach Japan gekommen und habe dafür mein Studium geschmissen. Nur gut, dass ich eine abgeschlossene Ausbildung in der Tasche habe.

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    1. Hehe, also der Wirtschaftsteil ist auch wirklich nicht meine Welt, wenn es nach mir ginge dürfte das Ganze auch gern zu 100% aus Sprache und Gesellschaft / Kultur bestehen. Aber im Endeffekt dachte ich mir, kommt es vielleicht zwecks Jobsuche ganz gut, wenn auf dem Abschlusszeugnis etwas mit Wirtschaftswissenschaften steht 🙂

      Dass du dein Studium abbrechen musstest tut mir Leid 😦
      Das mit dem zu krassen Tempo kann ich total verstehen. Seit unser Auslandsjahr vorbei ist, hat sich das Niveau und die Geschwindigkeit in unserem Japanisch Kurs drastisch auf „Wirtschafts-Niveau“ erhöht. Obwohl ich eigentlich mittlerweile ziemlich sicher in der Sprache bin, habe ich dadurch direkt erstmal die schriftliche Prüfung vor ein paar Wochen verhauen ^^“
      Dass du trotzdem nach Japan gehen konntest finde ich total super ❤
      Was macht dein Freund denn dort? Bleibt ihr langfristig? Und wie sieht es bei dir aus mit Arbeiten?

      LIebe Grüße! 🙂

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      1. Huhu ٩(๑❛ᴗ❛๑)۶ Das mit deiner Prüfung tut mir Leid…
        Mein Freund ist Lehrer an der Deutschen Schule. Als das Angebot kam, war uns sofort klar, dass das ne einmalige Chance ist. Wir sind definitiv noch 2,5 Jahre hier, würden aber gerne langfristig bleiben. Die Verdienstmöglichkeiten sind für ihn hier deutlich besser als in DE und das macht es echt angenehm.
        Ich gehe derzeit zur Sprachschule um auf JLPT N2-Niveau zu kommen. Wird noch ne gute Weile dauern, befürchte ich. Ich bin nämlich absolut kein Sprachtalent und stures Auswendiglernen (wie etwa von Vokabeln) liegt mir Null… Später möchte ich hier bei einer deutschen oder Internationalen Firna arbeiten. Mit Deutsch, Englisch und Japanisch plus kaufmännischer Ausbildung (Banklehre) sollte das wohl klappen. 😉 Die Bank, für die ich zuletzt gearbeitet habe, hat ne Filiale in Tokyo…

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        1. Lehrer an einer Deutschen Schule, das hört sich super gut an! Ich habe auch schon gehört, dass Lehrer in Japan zum Teil um einiges mehr verdienen als in Deutschland.
          Ich wünsche dir für die Sprachschule ganz viel Erfolg! Der JLPT für N2 soll ziemlich hart sein, aber das schaffst du schon ❤
          Und mit deinen Qualifikationen sieht es sicherlich auf dem Arbeitsmarkt nicht schlecht aus 🙂 Halt mich auf dem Laufenden!

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    1. Ach naja, manchmal frage ich mich auch wozu der ganze Stress und vor allem das Geld, das dafür drauf geht. Vor allem, wenn man eh nicht unbedingt in dem Bereich arbeiten will, den man studiert hat ^^“
      Du bist das ja wohl allerbeste Beispiel dafür, dass man man es sehr wohl schaffen kann, auch ohne Studium! 🙂 ❤

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  2. Wow, das Studium klingt ziemlich interessant und nach einer ziemlich schlauen Kombi. Ich selbst möchte eigentlich gar nicht langfristig in Japan leben, da ich nicht in der japanischen Arbeitswelt oder meine Kinder (die ich noch nicht habe) im jap. Schulsystem sehe. Ich habe Volkskunde studiert, abgebrochen und eine Journalisten Ausbildung gemacht und jetzt im Online Marketing. Läuft auch. Aber Micha promoviert in der Japanologie und wird daher auch den ein oder anderen Forschungsaufenthalt haben. Und ich hoffe, dass ich ihn da begleiten kann, um mal ein bisschen „auf Zeit“ in Japan zu leben.

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    1. Dass du deinen (zukünftigen) Kindern das japanische Schulsystem nicht zumuten möchtest, kann ich gut nachvollziehen. Ich hab ehrlich gesagt auch noch Probleme dabei, mich mit dem Gedanken anzufreunden, aber diese Problemstellung hat ja hoffentlich noch etwas Zeit 🙂

      Journalismus finde ich super! Und Online Marketing kann man doch bestimmt zum Teil auch vom Home Office aus machen, oder? Dann könntest du dich ja zwischendurch theoretisch immer mal auf Zeit mit deinem Micha nach Japan trauen, wenn er mit seinem Studium fertig ist 🙂
      So ein bisschen „Jetset Leben“ zwischen Deutschland und Japan hat ja auch so seine Vorzüge 😉

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  3. Ich hab auch sowas ähnliches studiert und ist nach meiner Erfahrung besser als nur Japanologie. Bekannte und Freunde, die nur Japanologie studiert haben, finden keine Jobs und von meinen ehemaligen Kommilitonen haben die meisten gute Jobs und einige davon auch in Japan. ^^

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    1. Ja, ich habe mir auch immer gedacht, dass es bestimmt nicht schaden kann, wenn auf dem Zeugnis neben reiner Japanologie auch irgendetwas mit „International Business“ steht 😉
      Da waren auch meine Eltern direkt ein bisschen beruhigter, haha.
      Was genau hast du denn studiert? Ich weiß, dass es an der Uni in Halle noch einen ähnlichen Studiengang gibt – vielleicht warst du sogar dort? 🙂

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