Erwachsen werden?

Mein Studium nähert sich seinem Ende.
In meinen vorerst letzten Monaten als Studentin rinnt mir die Zeit nur so durch die Finger. Niemals zuvor war der Aufwand für das Studium so groß wie in den letzten Wochen – mittlerweile verbringe ich beinahe jeden Wochentag von morgens bis abends in der Uni und habe trotzdem das Gefühl, dass die Liste an Dingen, die noch zutun sind, einfach nicht kleiner wird.

Da soll nochmal jemand behaupten, Studenten würden nur faul auf ihrem Allerwertesten sitzen und hätten nichts weiter im Kopf, als ihr entspanntes Leben wochenends mit Fontänen aus Bier und Vodka zu betrinken. (Zugegeben, keine so schlechte Vorstellung 😉 )

Dass solche Exemplare sicherlich existieren, ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Ich gehöre allerdings ganz klar nicht zu ihnen – zum Feiern und Entspannen habe ich schlicht und einfach keine Zeit mehr. Aktuell bin ich froh, wenn ich nachts ein paar Stunden ruhigen Schlaf bekomme.
In einem Punkt muss ich den Studenten-Kritikern allerdings Recht geben: Wir wissen nicht viel über das, was uns erwartet, wenn das „wahre Leben“ seinen Anfang nimmt und wir auf die Welt losgelassen werden. 

Mit dem näher rückenden Abschluss schleichen sich neben Bachelor Arbeit und Co. immer öfter Themen ein, mit denen ich mich zuvor niemals intensiv auseinandergesetzt habe: Einen (richtigen) Job suchen, Versicherungen abschließen, über eine finanzielle Absicherung in ferner Zukunft nachdenken, einen schier unbeugsamen Batzen von Studienkredit zurückzahlen …
Und das alles nicht einmal im Sozialstaat Deutschland, wo man sich in gefühlt allen Lebenslagen nicht allein gelassen zu fühlen braucht.
Ich muss mir über Dinge im Klaren werden, über die ich nicht einmal hier zu Hause Bescheid weiß. Und das, um mir eine Zukunft am anderen Ende der Welt in Japan aufzubauen.
Allein wenn ich mich darauf einlasse, tiefgehender darüber nachzudenken, bekomme ich halbe Panikattacken.

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Ich stresse mich mit Stress, bevor da überhaupt Stress ist, mit dem ich mich stressen sollte, denn ich bin gestresst vom Stress den ich unausweichlich bald haben werde. Alles klar? 

Zur Zeit haben wir eine Vorlesung, in der uns der Dozent immer wieder mit Dingen konfrontiert, die uns im späteren (Geschäfts)Leben und vor allem in Japan erwarten können.
Vor einigen Tagen unternahmen wir eine kleine Traumreise, die mit Bestimmungen für ein Langzeit-Visum oder gar der japanischen Staatsbürgerschaft begann und schließlich mit der Berechnung unserer Rentenbeträge endete, die wir eventuell in 50 Jahren einmal beziehen könnten.
Grober Umriss des Ganzen (ich bin offensichtlich kein Experte!! 😉 ): Insgesamt 5 Jahre Arbeit in Deutschland bedeuten einen verschwindend geringen Rentensatz, mit dem man hierzulande kaum Miete, geschweige denn einen würdigen Lebensabend finanzieren könnte. In Japan muss man 20 Jahre gearbeitet und kräftig in die Rentenkasse eingezahlt haben, um einen Mindestsatz ausgezahlt zu bekommen.
Schlussfolgerung: Arbeit finden und bestenfalls sogar in beiden Ländern durchziehen, ansonsten können wir uns im gehobenen Alter weder vom deutschen, noch vom japanischen Staat eine Altersversorgung erhoffen.

Ich bin 22 Jahre alt.
Ich bin Studentin.
Ich fühle mich manchmal wie eine alte Frau.
Aber ich bin ganz offensichtlich keine. Und bis es soweit ist, liegt quasi noch ein ganzes Leben vor mir. Ihr merkt, worauf ich hinaus will?
Auf meinem bisherigen Bildungsweg habe ich neben diversen Fremdsprachen auch Theorien über Wirtschaftsmodelle oder vollkommen realitätsferne mathematische Formeln auseinandergenommen. Ich kann gefühlt alle historischen Epochen Japans hoch und runter beten, die Werke traditioneller Künstler benennen und mir, natürlich,  auf alles und jeden meine eigene Meinung bilden.
Dass das alles mehr oder weniger nützliche Dinge sind, will ich gar nicht bestreiten.
Eine Steuererklärung abgeben oder aber mir ausrechnen, wie viel ich verdienen sollte, um später eine ausreichende Rente beziehen zu können, kann ich aber trotzdem nicht.

Und das macht mir Angst.
Gut, zur Zeit schnürt mir einiges die Kehle zu. Das mag einfach daran liegen, dass mir ein vollkommen neuer Lebensabschnitt bevorsteht, auf den ich mich natürlich unglaublich freue, über den ich allerdings auch noch viel zu wenig zu wissen scheine.
Ich fühle mich manchmal noch gar nicht bereit dazu, ins „Freie“ entlassen zu werden. Was ich vor einigen Jahren noch gar nicht erwarten konnte, steht nun so kurz bevor, dass mich all die damit einhergehenden Verpflichtungen schier überwältigen.

Zumal mir ja auch noch die Reise nach Japan im August bevorsteht.
Vorher müssen Prüfungen bestanden, die Bachelor Arbeit geschrieben, ein Visum beantragt und bestenfalls ein Job gefunden werden. Und wenn das alles geschafft ist, fangen die richtigen Herausforderungen ja erst an. Dann kann ich mich nicht mehr auf den Welpenschutz des Schüler- / Studentendaseins verlassen.

Kurz: Zur Zeit schwirrt mir vieles im Kopf herum.
Das schmälert natürlich nicht meine Freude und die Neugierde darauf, was mich in der Welt der „Erwachsenen“ erwartet. Ich bin zwar aktuell ziemlich ausgelaugt, spüre aber trotzdem den Tatendrang in meinem Innern lodern.
Also – Zähne zusammen beißen und durch!

Musstet ihr euch auch schon mit Zukunftsängsten auseinandersetzen, vor allem, wenn ein neuer Lebensabschnitt bevor stand? Wie geht ihr damit um? Und muss man sich wirklich so viel Stress machen, oder fügen sich viele Dinge im Endeffekt ganz von selbst?

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12 Kommentare zu „Erwachsen werden?“

  1. Die Dinge fügen sich am Ende ganz von selbst ^_-
    Du solltest nur die Gesetze kennen (man muss zumindest in die staatliche Renten- und Krankenversicherung, selbst wenn man eine Auslandskrankenversicherung fürs Working Holiday abgeschlossen hat.. – Beispiel)

    Über die Rente solltest du dir keinen Kopf machen. Japan ist da ganz genauso mies wie Deutschland und auch in Deutschland musst du eigentlich 40 Jahre arbeiten um die volle Rente zu bekommen (oder waren es 45?)
    Momentan gibt es aber ein Rentenabkommen zwischen beiden Ländern, so dass deine Arbeitszeit angerechnet wird.
    Du bekommst dann später deinen 5-Jahres-Satz aus Deutschland gezahlt und deinen 35 Jahressatz aus Japan.
    Deshalb muss man den ganzen Papierkram aus Deutschland auf jeden Fall aufbewahren.
    Allerdings.. Was wissen wir schon wie die Welt in 30 Jahren aussieht.. Schließlich sehen beide Länder in ihrem System vor, dass unsere Kinder unsere Rente zahlen. Ob wir aber genug von denen haben? Oder ob uns doch wieder ein Krieg dazwischen kommt? Wer weiß das schon… Da bringt der ganze Stress bevor es soweit ist nicht viel ^_-

    Und bei den anderen Themen sieht es ganz ähnlich aus…
    Lies mal Claudias Blog dazu. Irgendwo hatte sie geschrieben, dass sie kein Erwachsenenleben in Deutschland hatte und jetzt kaum einen Plan hätte was man da zu tun hätte, wenn sie zurück ziehen würde.

    Auch in Deutschland muss man die Erwachsenensachen erst lernen. Ob du das nun dort tust oder in Japan, ist Jacke wie Hose 🙂

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    1. Vielen Dank für deine aufmunternden Worte! 🙂
      Ich bin eigentlich auch keine Person, die sich viele Sorgen macht, vor allem nicht über Dinge, die noch so weit in er Zukunft liegen.
      Aber zur Zeit überfordern mich diese Dinge wirklich ^^
      Das gehört wohl einfach zu den Erwachsenensachen dazu. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, mir nicht unnötig mehr Gedanken zu machen, als nötig! Immerhin muss da ja jeder irgendwann durch, egal in welchem Teil der Welt 🙂

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  2. Ich habe vor fünf Jahren meinen Bachelor abgeschlossen und viel von der Panik kam erst etwa ein Jahr später, aber dann mit Wucht. Davon ist Einiges zu persönlich, um es hier zu schreiben, aber du darfst mich gerne jederzeit per Email/Skype/Facebook kontaktieren. Das schaffen wir schon. 🙂

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    1. Danke dir ❤
      Wir können gern auch auf anderen Plattformen in Kontakt bleiben, das würde mich sehr freuen 🙂
      Solche Erfahrungen und Ängste mit Leuten zu teilen, die in einer ähnlichen Situation sind / waren, kann ja schon sehr beruhigend sein 🙂

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  3. Du bist nicht alleine Tara – ich glaube, dass geht uns allen so!
    Und mit uns allen meine ich nicht nur „uns uns“ sondern alle Studenten, die am Ende ihres Studiums stehen. Und wenn man sich so umsieht – die meisten bekommen es ja doch irgendwie auf die Reihe.
    Wir schaffen das! 頑張ろう!

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    1. Dankeschön Mona! Es ist schon beruhigen zu wissen, dass man in dieser Situation nicht alleine ist.
      Es ist eben wirklich ein großer Schritt, wenn man plötzlich damit beginnen muss, die volle Verantwortung über sein eigenes Leben und vor allem die Zukunft zu übernehmen.
      Aber andererseits natürlich ist es auch eine sehr spannende Zeit 🙂
      Wir schaffen das schon!!

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  4. Ich verstehe dich sehr gut, denn ich mache mir auch immer unglaublich viele Sorgen, über das, was kommen wird – oder besser, was kommen könnte. Ich glaube aber, dass du dir einen Teil davon sparen kannst, weil ich überzeugt bin, dass du nicht am Tag deiner letzten Prüfung schon dein restliches Leben geplant und organisiert haben musst. Eins nach dem anderen! Ich würde dir vorschlagen, erstmal nach Japan gehen, hauptsache Visum und irgendwie krankenversichert (und vielleicht auch Haftpflicht). Irgendeinen Job wirst du bestimmt finden, das klappt bei den anderen Leuten ja auch irgendwie. Und der Rest wird sich nach und nach fügen! Und du bist noch soo jung, dass man auch mal noch was ändern kann. Selbst wenn der erste Job befristet ist, oder super langweilig oder nicht gut genug bezahlt, damit du später eine ordentliche Rente bekommst, dann kannst du ihn in ein, zwei Jahren auch nochmal wechseln! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich mit der Zeit auch einige Bedürfnisse etc. ändern, also kann man gar nicht immer alles so gut im Voraus planen. Mach dir am besten eine „absolute must have“-Liste für die Zeit des Abschlusses und des Umzugs und verschieb die Gedanken über den Rest auf die Zeit danach. Mit Studium, Bachelorarbeit und Umzugsplanung (und nebenbei ja auch eine zeitintensive Fernbeziehung) hast du ja schon genug am Hut.
    Das wird schon alles werden 😉

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    1. Mit dem Gedanken, dass man am Tag seiner Zeugnisübergabe quasi den Rest seines Lebens geplant haben musst, triffst du es wirklich sehr gut ^^
      Genau so fühlt es sich zur Zeit irgenwie oft an …
      Aber du hast Recht – erstmal nach Japan un zusehen, dass im Hier und Jetzt alles klappt, bevor man sich weiter Gedanken über Dinge macht, die noch weit in der Zukunft liegen.
      Oberstes Ziel sollte jetzt der Abschluss des Studiums sein. Und dann natürlich einen Beruf zu finden, der mir liegt. Das wird sicherlich auch seine Zeit kosten … 🙂
      Vielen Dank für eine aufbauenden Worte, da geht es mir wirklich direkt viel besser ❤

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  5. Ich fühle mit dir! Kopf hoch, Pobacken zusammenbeißen und alles Stückchen für Stückchen abarbeiten. Als ich in einer ähnlichen Situation vom Arbeitspensum war (mit zwei Jobs neben dem Studium und BA Arbeitsphase) dachte ich manchmal wie soll ich das nur schaffen. Aber schau dir nicht alle ungeklärten Dinge auf einmal an, sondern nach und nach. Versuch deine Energie auf die akuten Dinge zu fokussieren und bald löst sich der Knäul! Ich wünsch dir ganz viel Energie und das du alles schaffst was du dir wünschst!

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