Das liebe Geld

Wie spart man eigentlich für eine anstehende Auswanderung?
Wie teuer ist Japan und mit welchen Kosten muss man noch vor der Abreise rechnen? Und vor allem: Wie viel sollte man überhaupt auf seinem Konto bereit haben, wenn es losgeht?

„Wenn Reisen umsonst wäre, würdet ihr mich nie wieder sehen.“ 

Ich glaube, dass viele von uns sich mit diesem Zitat identifizieren können.
Es ist eine wundervolle Erfahrung, ins Ausland zu gehen, egal ob für einen Kurztrip oder eben auf längere Sicht. Die Welt, auf der er lebt, in all ihren Facetten zu entdecken, ist wohl eines der aufregendsten Dinge, mit denen der Mensch sich beschäftigen kann.
Viele würden am liebsten ihr halbes Leben im Flugzeug verbringen und die andere Hälfte dafür nutzen, an die entlegensten Orte zu reisen, um dort Berge zu erklimmen, neue Kulturen kennen zulernen oder sich einfach am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Wäre da nicht der finanzielle Faktor 😉

In etwas mehr als drei Monaten geht es für mich los. Ich ziehe auf unbestimmte Zeit, vermutlich allerdings dauerhaft, nach Japan.
Obwohl ich Deutschland nicht das erste Mal für längere Zeit verlasse, ist dieser große Schritt eine unglaublich aufregende Sache. Ich bewege mich zur Zeit emotional auf so vielen Ebenen, dass ich am Ende des Tages meist von mir selbst und meinen Gedanken ziemlich erschöpft bin.
Zu einem großen Teil drehen sich diese natürlich um das liebe Geld.

Bevor es mich 2015 das erste Mal nach Japan verschlug, habe ich einen Großteil meiner Freizeit darauf verwendet, bei verschiedenen Nebenjobs so viel Geld wie möglich zu verdienen, um für das Auslandsjahr zu sparen. Am Ende bin ich mit gut 2500€ in der Tasche losgezogen – und musste davon allein 1000€ am ersten Tag an meine Wohnung in Shizuoka abtreten.
Damals war das allerdings kein großes Drama, denn ich konnte mich darauf verlassen, pünktlich am Anfang jeden Monats meinen Studentenkredit ausgezahlt zu bekommen. Außerdem haben meine Eltern mein Konto immer wieder mit Finanzspritzen am Leben erhalten, vor allem innerhalb des letzten halben Jahres, das ich arm wie eine Kirchenmaus in Tokyo verbrachte.

Für mich ändern sich also ab August folgende Konditionen:

1.) Ich muss einen Flug buchen
Selbsterklärend.
Da ich Meilen bei Emirates sammle, wird es auch dieses Mal mit dieser Fluggesellschaft nach Japan gehen. Für ein Einzelticket im August bezahlt man derzeit ca. 630€. Wenn man noch ein Rückflugticket dazu buchen möchte, ist man schon bei fast 1000€.

2.) Ich bin kein Student mehr, wenn ich in Japan ankomme
Das bedeutet schlicht und einfach: Kein Studentenkredit mehr für mich ab Oktober. Im Gegenteil: 18 Monate nach der letzten Auszahlung muss ich anfangen, das gesamte Geld Stück für Stück ans Kreditinstitut zurückzuzahlen.
… und das ist ein so großer Batzen, dass einem glatt schwindelig wird, wenn man seine wahren Ausmaße erahnen will 😉
Außerdem fällt auch das monatliche Kindergeld weg, das man nur so lange ausgezahlt bekommt, bis man seine Ausbildung abgeschlossen hat.

2.) Ich muss mich (kranken)versichern
… und zwar doppelt.
Um mit dem Working Holiday Visum einreisen zu dürfen, muss man sich in Deutschland auslandskrankenversichern lassen. Sobald man dann in Japan gelandet ist und sich beim zuständigen Stadtamt angemeldet hat, wird man zusätzlich automatisch in das japanische Krankenversicherungssystem aufgenommen.
Das bedeutet: Doppelt zahlen und trotzdem beim Arzt Rechnungen vorgelegt bekommen, die nach Untersuchungen direkt vor Ort bezahlt werden müssen. Anders als in Deutschland übernimmt die Versicherung dort nämlich nicht alle Kosten.
Je nachdem, welche Konditionen eure Auslandskrankenversicherung anbietet, könnt ihr euch anfallende Kosten für gewisse Behandlungen im Endeffekt zurückerstatten lassen. Bezahlt werden müssen sie allerdings trotzdem erstmal.

3.) Ich möchte einen Master machen
Zu diesem Entschluss bin ich schon vor einer ganzen Weile gekommen, habe ihn allerdings (aufgrund des finanziellen Aspektes) immer wieder verworfen.
Nun habe ich es für mich selbst erst einmal festgemacht: Ende 2018 bzw. Anfang 2019 möchte ich mit einem Graduate Program in Japan beginnen.
Studieren in Japan ist allerdings nicht gerade günstig. In Nagoya bezahlt man an einer staatlichen Universität pro Studienjahr umgerechnet rund 4500€. Der Master dauert gute zwei Jahre. Insgesamt müssen also allein für Studiengebühren an die 10.000€ eingerechnet werden.
Schlussfolgerung: Ohne Stipendium und Erspartes plus gut bezahlten Nebenjob geht da gar nichts.

Nun muss man natürlich auch weitere Kosten hinzurechnen, die im ganz normalen Alltag anfallen. Glücklicherweise werde ich davon einen Großteil erst ab nächstem Jahr zu bewältigen haben, da mein Partner und ich bis zu seinem Studienabschluss im März mietfrei bei seinen Eltern unterkommen werden.
Es bleibt bis dahin also noch etwas Zeit, um in Japan einen Job zu finden, Geld zu verdienen und im Bestfall natürlich zu sparen.

Das Geldhorten vor dem Abflug hier in Deutschland klappt leider nicht so gut, wie ich es mir gewünscht hätte. Zwar konnte ich schon einiges zusammensammeln, aber das Leben ist nun einmal nicht billig, gerade für einen Studenten, dessen zeitliche Auslastung einen Nebenjob einfach nicht zulässt.
Und trotz der bevorstehenden Auswanderung (oder gerade deshalb?) möchte man ja nicht nur an allen Ecken und Enden sparen, sondern noch so viel Zeit wie möglich mit seinen Liebsten verbringen. Kurzurlaub mit Freundinnen; vermehrte Zugfahrten zur Familie; die ein oder andere Flasche Wein …

Wie steht es bei euch mit den Finanzen? Habt ihr im Voraus viel zusammengespart oder euch darauf verlassen, so schnell wie möglich einen Job zu finden, der euch finanziert? Ist dies wieder ein Punkt für die Kategorie „Growing-Up-Anxiety“? Und wie viel seid ihr bereit, von eurem hart verdienten Gehalt für Reisen auszugeben? 

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17 Kommentare zu „Das liebe Geld“

  1. Huhu Tara,

    ich würde auf jeden Fall sagen, dass es zur Kategorie „Growing-Up-Anxiety“ gehört. Ich mache ja momentan mein Abi und kriege Bafög, habe eine eigene Wohnung und definitiv zu wenig Geld. In der kleinen Stadt wo ich wohne gibt es nicht gerade viele Jobangebote und ich habe schon ein paar Bewerbungen geschrieben und bis jetzt noch nichts gefunden. Mein Konto ist bis zum letzten bisschen Überzogen und eigentlich wollte ich schon für mein Studium sparen. Hab ich mir wohl zu einfach vorgestellt. Und das macht mir schon ein wenig Angst… Aber ich kann im Moment halt nichts anderes tun, als weiter nach einem Job zu suchen. Ich denke, es ist wichtig in so Momenten nicht zu vergessen, dass man den Moment leben soll. Auch wenn es manchmal schwer ist und man kaum schlafen kann xD

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    1. Hey Momo,
      oh je, ich kann total verstehen, wie es dir geht. Als ich ohne festes Einkommen in Tokyo gelebt habe, habe ich mein Konto auch jeden Monat bis aufs Letzte ausgelastet und manchmal hat das nicht einmal für alle lebenswichtigen Dinge gereicht.
      Sowas kann schon beängstigend sein :/
      Ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei der Jobsuche und dass es dann vor allem mit dem Sparen für dich klappt ❤

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      1. In einem anderen Land ist es sicher noch beängstigender. Danke, dass ist echt lieb von dir. Ich hoffe auch, das du in Japan schnell einen Job findest und alles für euch beide klappt. Es freut mich auch, das ihr bei seinen Eltern unter kommen könnt. Ich hoffe, das es nicht zu anstrengend für dich wird 🙂 ♥♥♥

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  2. Das liebe Geld…Ich habe circa 1200€ Bafög pro Monat und mein Chef vom Nebenjob war so lieb meine Urlaubstage so zu setzen über die 5 Monate verteilt das ich immer so 100€ bekommen habe. Mein Freund und ich hatten ca. 2500€ gespart da er im August für 16 Tage nach Japan kommt und wir dann zusammen zurück reisen. Nun kamen unvorhergesehene Rechnungen ich war fast zwei Monate krank in Japan und wir haben nur noch 1500€ 😦 ich bekomme zwar noch mal Bafög im August, jedoch hab ich nicht mehr mein Wohnheimzimmer und ach ja…mal sehen ob das alles irgendwie klappt! Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und bin total gespannt wenn du vielleicht irgendwann dann von deinem master Programm bereichtest 😉

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    1. Mit 1200 Euro im Monat ist es in Tokyo aber bestimmt auch knapp, oder? :/
      Dass du krank geworden bist ist natürlich total doof. Selbst mit der japanischen Versicherung muss man ja etwas zuzahlen und je nach dem, was man hat, kann das mega ins Geld gehen.
      Hoffe für euch, dass ihr im August trotzdem noch ein wenig gemeinsam Japan erkunden könnt!! Geht es dann für dich wieder nach Deutschland? Schade, dann verpassen wir uns ganz knapp ^^

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