Wie man den japanischen Sommer überlebt

Japanische Sommer, zumindest auf der Hauptinsel Honshū, können extrem sein für diejenigen von uns, die aus nördlicheren Gefilden der Welt stammen und keine Temperaturen weit über 30°C mit bis zu 90% Luftfeuchtigkeit gewöhnt sind.

Ich habe vor einer Weile schon in einem anderen Beitrag erwähnt, dass mich die beiden japanischen Sommer, die ich bisher 2015 und 2016 erlebt habe, ganz schön mitgenommen haben.
Vor dem Aufbruch in unser Auslandsjahr wurden meine Mitstudenten und ich zwar vor dem vermutlich extremen Wetterumschwung gewarnt, die Realität traf mich allerdings damals mit voller Wucht, als ich aus dem Flugzeug in Tokyo ausgestiegen bin: Der Abend war bereits hereingebrochen, die Sonne verschwunden und leichter Nieselregen bedeckte die Landebahn mit einem feuchten Schimmer. Trotzdem herrschten Außentemperaturen von 29°C und die Luft fühlte sich an, als hätte gerade jemand in der Sauna einen frischen Aufguss gemacht.

Der japanische Sommer beginnt meist schon Anfang Juni mit recht hohen Temperaturen. Juli und August sind dann schon kaum noch auszuhalten – zur Wärme kommt durch die Regenzeit Luftfeuchtigkeit hinzu, welche diese Monate nicht nur zu einer heißen, sondern auch zu einer ziemlich klebrigen Angelegenheit machen.
Ich kann mich noch genau an den Übergang von angenehmen Temperaturen im Mai hin zur Wärme des Junis und schließlich der unausweichlichen Klammheit im Juli / August erinnern. Man hatte quasi von Morgens bis Abends einen nassen Film auf der Haut, der sich im Laufe des Tages mit dem eigenen Schweiß zu einer unangenehmen Masse vermischte.

Was kann man nun also tun, um die schweißtreibenden Monate einigermaßen unbeschadet zu überstehen? Zum Glück bietet Japan da einiges an Erleichterung für seine von Hitze und Schwüle gebeutelten Bewohner 😉

Ausreichend Flüssigkeit und eine ausgewogene Ernährung

Hört sich ziemlich klischeehaft an und ist wohl auf alle Jahreszeiten anwendbar, aber gerade im Sommer ist es besonders wichtig, den Körper mit allen Nährstoffen zu versorgen, die er braucht, um auf alltäglicher Basis zu funktionieren. Wenn man dazu noch einer derart hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist, die uns quasi mit dem Schweiß alles mögliche an Flüssigkeit raubt, muss man umso mehr darauf achten, viel zu trinken und sich gesund zu ernähren.
Ich habe selbst erlebt, dass meine Ernährung, während ich den Sommer letzten Jahres in Tokyo verbracht habe, nicht ausgereicht hat, um meinen Körper unbeschadet durch die heißen Monate zu tragen. Bei einer sparsamen Nahrungszufuhr, die fast ausschließlich auf Convenience Store und Co. zurückgreift, sind Kreislaufprobleme quasi vorprogrammiert.
Also, auch wenn es bei der Wärme manchmal schwer fällt: Immer schön essen und trinken! Wassermelone ist zum Beispiel im Supermarkt immer recht günstig zu bekommen und versorgt uns nicht nur mit ein paar Vitaminen, sondern auch mit Flüssigkeit und einem kleinen Frische-Kick zwischendurch 🙂

Deo Tücher

rs-3

Es gibt sie von allen möglichen Herstellern und in den verschiedensten Düften: Deodorant-Tücher, mit denen man jederzeit den oben genannten feuchten Film nahezu restlos von der Haut wischen kann.
Ich persönlich finde diese kleinen Helfer ziemlich genial. Man fühlt sich nach der Benutzung zum Teil wirklich, als wäre man gerade aus der Dusche gehüpft. Sie erfrischen nicht nur die Haut, manche dieser Tücher haben sogar einen kühlenden Effekt, was vor allem nach einer Fahrt im vollgestopften Zugabteil sehr angenehm sein kann 😉
Von der Marke Biore kostet eine Packung mit ca. 40 Tüchern nicht mehr als 500 Yen, also ca. 3€. Man kann sie in praktischem Kleinformat, aber auch als größere Box (etwas teurer) für zu Hause oder das Büro in jedem Convenience Store finden.

Das Haar-Problem

Gut, dies richtet sich nun wahrscheinlich eher an die Damen unter uns, vor allem an jene, die mit einer ähnlichen Haarstruktur wie meiner zu kämpfen haben, nämlich krausen Naturlocken.
Für mich und meinen Kopf ist der japanische Sommer die Hölle, denn mein Haar kräuselt sich ohne eine halbe Flasche Festiger oder Spray schon bei der geringsten Luftfeuchtigkeit in alle Himmelsrichtungen. Manche finden das schön, für mich persönlich ist es einfach nervig.
An besonders schlimmen Tagen in Japan hatte ich trotz regelmäßigem Waschen immer eine Art öligen Film auf den Haaren, der es mir eigentlich so gut wie gar nicht erlaubte, sie offen oder in anderen schönen Frisuren zu tragen. Und zwei Monate oder länger nur mit Haarband und streng zurück gebundenem Dutt herumzulaufen, ist auf Dauer nichts für mich.
Was mir sehr geholfen hat, waren Haarprodukte von Shiseido, allen voran die rote Tsubaki-Reihe.

HairTs100 - Tsubaki Extra Moist Shampoo Conditioner_zpsr0ggjviu
Shampoo und Conditioner sehen sich sehr ähnlich, beim Kauf also etwas aufpassen! 🙂

Bei uns zu Lande auf Amazon unglaublich teuer zu erstehen, kosten Shampoo und Conditioner dieser Art im japanischen Drugstore zusammen ca. 10 Euro, was trotzdem noch nicht wirklich günstig ist. Aber es lohnte sich bei mir sehr – besonders der Conditioner glättet meine krause Haaroberfläche und bändigt somit die Mähne auch an feuchten Tagen. Naja, zumindest ein wenig… 😉
Auch eine regelmäßige Maske aus Kokosnussöl hat auf lange Sicht etwas gegen den Frizz getan. Also Mädels, wenn ihr ebenfalls nicht mit wunderbar glattem und geschmeidigem Haar gesegnet seid, werdet kreativ! 🙂

Fächer / Sonnenschirme

Na, was bringen wir aus einem Japan Urlaub so häufig als Souvenir mit nach Hause? Genau, einen schönen, bunten Fächer mit typischen Motiven. In Japan werden sie allerdings nicht nur zur Deko oder als Accessoire zu Kimono und Yukata genutzt – Fächer können an besonders heißen Tagen eine einfache Erleichterung schaffen.
Man bekommt besonders günstige Modelle schon für 100 Yen, also unter einen Euro bei Daiso und Co., kann allerdings für ein hochwertiges Modell auch um einiges mehr ausgeben. Besonders handgemachte Fächer sind neben ihrer Funktionalität im Sommer ein wunderschöner Blickfang.

482607244_96a6ebedd6
Sonnenschirme in Japan

Einen Schirm zu tragen, kennen die meisten Europäer nur von regnerischen Tagen. Wenn es allerdings besonders heiß und sonnig ist, sieht man fast jede Japanerin auf der Straße mit einem Schirm. Das Schönheitsideal der besonders makellosen, weißen Haut, das in den meisten asiatischen Ländern vorherrscht, spielt dabei eine große Rolle. Ich persönlich habe Schirme im Sommer allerdings vor allem dafür genutzt, bei längeren Spaziergängen auf freier Fläche keinen Sonnenstich zu bekommen 😉

Es aussitzen

Doch egal, wie viele kleine Helferlein wir uns anschaffen, um auch die heißen Monate in Japan voll ausnutzen zu können – an manchen Tagen muss man es einfach über sich ergehen lassen und bleibt am besten im (hoffentlich) gut klimatisierten Heim oder flüchtet sich, wenn man doch gerade draußen ist, in ein kühles Café. Es macht nicht unbedingt Spaß, bei hoher Luftfeuchtigkeit durch die Hitze zu spazieren. Und für die Gesundheit kann das natürlich auf Dauer auch nicht gut sein.
Generell würde ich Leuten, die eine Reise nach Japan planen, die Sommermonate eher abraten. Der anschließende Herbst mit seiner goldenen Laubfärbung oder die angenehmen Frühlingsmonate zur Kirschblütenzeit sind um einiges lohnender, wenn man ein paar schöne Wochen im Land der aufgehenden Sonne verbringen möchte 🙂

Wie haltet ihr euch im Sommer über Wasser? Habt ihr noch weitere Tipps und Tricks, wie man vermeidet, vollkommen zu zerlaufen? 😉

Advertisements

13 Kommentare zu „Wie man den japanischen Sommer überlebt“

  1. Huhu Tara 🙂 ,

    Ich kann mir gut vorstellen wie anstrengend das sein kann. Ich war selber leider noch nicht da, aber ich habe vor kurzem noch einige Tipps gelesen. Man kann Feuchttücher in den Kühlschrank legen und sich damit erfrischen oder eine Wasserflasche 3/4 befüllen und dann in den Gefrierschrank legen. Übernacht z.B. und dann wenn man raus geht, kann man sich damit abkühlen und langsam das schmilzende Wasser trinken. Und wenn man keine Klimaanlage hat, kann man auch eine gefrorene Wasserflasche vor den Ventilator stellen. Dann bekommt man auch schön kühle Luft. Ich hoffe ich konnte damit helfen 🙂

    Liebe Grüße
    Momo ♥

    Gefällt 1 Person

  2. Ich kann in allen Punkten nur zustimmen…
    Alerdings habe ich den Eindruck, dass es dieses Jahr nicht ganz so heiß ist wie letztes Jahr, oder? Obwohl auch hier weider Hitzerekorde gemeldet wurden und die Zahl der Hitzschläge im August wieder ordentlich in die Höhe geschnellt ist.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich war (zum Glück xD) diesen Sommer gar nicht in Japan, aber mein Freund beklagt sich eigentlich jeden Tag über die Wärme und dass er nicht schlafen kann ^^
      Letzten Sommer fand ich es in Tokyo und Shizuoka seeeehr sehr schlimm. Da sind wir zum Teil wirklich tagelang kaum vor die Tür gegangen, weil die schwüle Wärme so unerträglich war. Hoffe dieses Jahr leidet ihr nicht ganz so sehr 🙂
      Dagegen hier in Deutschland: Herbst pur.

      Gefällt mir

      1. So genaue Vorstellungen haben wir noch nicht. Ich muss erst Mal nach Bulgarien, Singapur und Thailand. Es gibt ja genug Video-Blogs über Tokio und Umgebung. Oder hast du mir ein paar Tipps in deinem Blog die mir weiterhelfen? 😉 Bin noch nicht zum Durchforstern bei dir gekommen…

        Gefällt 1 Person

        1. Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, auch außerhalb von Tokyo zu schauen! Also, ja, Tokyo ist toll und kann mit seiner Vielfalt bestimmt mehrere Wochen Urlaub ausfüllen… Aber es gibt so viele schöne Flecken in Japan, die man gesehen haben muss 🙂
          Kyoto ist beispielsweise auch eine unglaubliche schöne Stadt, wenn auch ziemlich überlaufen von Touristen. Aber generell die Region Kansai ist sehr sehenswert und von Tokyo aus mit dem Schnellzug in wenigen Stunden erreichbar 🙂
          Die Präfektur Shizuoka, wo ich ein halbes Jahr lang gewohnt habe, ist auch ein tolles Fleckchen Erde.

          Haha, also es gibt wirklich viele Ecken, die sich lohnen. Kommt immer auch drauf an, wie viel Zeit man für den Aufenthalt hat 🙂

          Gefällt 1 Person

Und, was meinst du?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s