Feuerwerk (花火) in Japan

Sommerzeit ist in Japan Feuerwerkszeit.
Und ich meine nicht mal hier und dort ein kleines privates Feuerwerk, dessen Lichter man nachts vor dem Fenster in der Ferne beobachten kann – in den warmen Monaten werden landesweit überall kleine und große Sommerfeste gefeiert, auf denen ein buntes Lichtspiel besonders gegen Ende der Veranstaltungen oft obligatorisch ist.

Letzte Woche habe ich mich über den mörderisch heißen japanischen Sommer beschwert. Doch man muss ihm neben seiner schweißtreibenden Schwüle und den kreischenden Zikaden durchaus auch seine positiven Seiten zugestehen.
Ein großer Pluspunkt der Sommerzeit in Japan sind die Feste (夏祭り, natsumatsuri), zu denen ein Feuerwerk (花火, hanabi) am Abend meist dazugehört.

 

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Feuerwerk am Abegawa in Shizuoka

Anders als in unseren westlichen Gefilden, gibt es in Japan an Neujahr typischerweise kein Feuerwerk. Sie sind dem Juli und August vorbehalten und ursprünglich dazu gedacht, böse Geister zu vertreiben.
Auch sind japanische Feuerwerke sehr bunt, groß und laut. Sie explodieren in allen möglichen Formen und Farben am Himmel, was der Menge oft erstaunte Ausrufe entlockt. So gab es bei einem Fest, das ich letztes Jahr um diese Zeit mit meinem Freund in Shizuoka besucht habe, beispielsweise Feuerwerkskörper, die Herzen in den Himmel gemalt oder sogar Botschaften in Kanji-Form hineingeschrieben haben. 🙂

Eine Show dauert meist zwischen 1 – 2 Stunden und beginnt kurz nach Sonnenuntergang. Flussbetten sind dabei ein beliebter Standort für Sommerfeste. Man sollte allerdings ein paar Dinge beachten, wenn man dieses Erlebnis in angenehmer Atmosphäre genießen möchte:

1.) Frühzeitig ankommen

Sommerfeste sind je nach Ortschaft voller Menschen. Demnach sind die guten Plätze, von denen aus man das Feuerwerk am besten beobachten kann, sehr schnell belegt. Man sollte also so früh wie möglich dort sein, um genug Zeit zu haben, sich vor der Show auf dem Gelände auch noch ein wenig umsehen zu können.

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Am Anfang war es noch recht „leer“, doch das änderte sich gegen Abend schnell 😉

2.) Kühle Getränke und Proviant mitbringen

Zwar sinken die Temperaturen nach Sonnenuntergang meist ein wenig, man sollte allerdings trotzdem einen kleinen Vorrat an kühlen Getränken mitbringen. Kühltaschen, in denen man Bierdosen etc. lagern kann, gibt es für kleines Geld überall zu kaufen. Und wer nicht so viel mit sich herumschleppen mag, der findet an den vielen kleinen Fressbuden, mit denen die Straßen auf einem Fest gesäumt sind, alles, was das Herz begehrt 🙂
Es lohnt sich, vor dem Feuerwerk die zahlreichen Straßen-Geschäfte zu durchforsten. Es geht doch nichts über ein kühles Bier und eine Portion frisches Takoyaki (gebackene Tintenfischbällchen), während man der Show zusieht!

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Wohl die besten Takoyaki, die ich je gegessen habe 🙂 (Pro Pack á 6 Bällchen ca. 3€)

3.) Einen Platz auf festem Boden suchen

Das ist ein Rat für all diejenigen, die ungern handgroße Heupferde auf der Schulter sitzen haben oder von riesigen Bienen attackiert werden! Ihr solltet nicht unbedingt die Plätze im hohen Gras wählen, selbst wenn ihr Decken dabei habt und die grünen Hänge, die oft das Flussbett von den Fußwegen trennen, mit ihrer guten Sicht locken. Wir haben den Fehler letztes Jahr gemacht und ich hatte deswegen anfangs nicht besonders viel Freude an der Show. Je mehr Menschen sich um uns herum niedergelassen haben, desto mehr Insekten sind nämlich vom Hügel geflohen… 😉
Zum Schluss hin war es allerdings ganz witzig anzuschauen, wie sich die Umsitzenden gegenseitig mit ihren Fächern geschlagen haben, um die Biester von Hosen und Hüten zu vertreiben. Ich selbst habe noch nie so viele liebevolle Nackenschläge von Fremden abbekommen, wie an diesem Abend 😀

4.) Kontakte knüpfen

Könnte es eine bessere Gelegenheit geben, um neue Freunde kennen zu lernen, als in der entspannten, biergeschwängerten Atmosphäre eines Sommerfestes? Ich glaube nicht 😉
Gerade wenn man frisch in Japan angekommen ist und noch nicht so viele Leute kennt, kann ein Feuerwerk die perfekte Gelegenheit sein, um mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen. Sitzt man als einziger Ausländer mit Takoyaki und Bierdosen bewaffnet in der Menge, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass man angesprochen oder sogar in eine lustige Runde eingeladen wird.
Initiative zeigen steht hier ganz hoch im Kurs 🙂

5.) Alle Facetten der Festlichkeiten genießen

Ein Sommerfest in Japan ist eine unglaublich spannende Angelegenheit. Nicht nur, dass man abends eine tolle Show beobachten kann, wenn das Feuer riesige Blumen in die Luft malt. Nebenbei gibt es auch noch Menschen in bunten Yukata zu bestaunen, dem typischen luftigen Gewand, in das sich sowohl Männlein als auch Weiblein oft kleiden, wenn es auf eines der Feste gehen soll.

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Farbenfrohe Yukata (Bild made by The Epoch Times)

Darüber hinaus ist die Luft erfüllt von ausgelassenem Gelächter, Musik und dem Geruch verschiedenster lokaler Köstlichkeiten, der in grauen Wölkchen aus den kleinen Buden aufsteigt.
Wenn man sich auf die Erfahrung einlässt, kann ein Sommerfest etwas unglaublich Tolles sein! Man muss sich nur auf die Menschenmassen einstellen, die gerade gegen Abend hin schon mal überwältigend werden können.

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Menschen, Menschen, Menschen…

Zu unserem Feuerwerk am Abegawa war letztes Jahr gefühlt ganz Shizuoka gepilgert. Zum Schluss war es so voll, dass die Polizei die Masse koordinieren musste, die nach der Feuershow zurück in die Innenstadt strömen wollte.
Mein Freund und ich haben dadurch keinen Bus und kein Taxi mehr bekommen, weshalb wir die gut 10 Kilometer bis nach Hause zu Fuß laufen mussten – aber das war irgendwie auch nochmal ein sehr ereignisreicher Abschluss unseres ersten gemeinsamen Sommerfestes 🙂

Habt ihr schon einmal ein japanisches Feuerwerk gesehen oder wart auf einem Natsumatsuri unterwegs?

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5 Kommentare zu „Feuerwerk (花火) in Japan“

  1. Oooh, wie schön, da steigt meine Vorfreude auf meine Japanreise noch weiter, bei der ich hoffentlich zu meinem ersten japanischen Feuerwerk gehen kann! 🙂 Wie stehst du zu Ausländern, die beim Festival einen Yukata tragen? Kann ich das machen oder ist das komisch, bzw. hast du das mal gemacht?
    Liebe Grüße und einen guten letzten Monat in Deutschland dir! 🙂 Isabella

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  2. Hallo Isabella,

    Ausländer in Yukata sind meiner Meinung nach überhaupt kein Problem, im Gegenteil. Ich glaube viele Japaner freuen sich darüber, wenn sie uns in traditionellen japanischen Kleidern sehen. Das zeigt ja auch irgendwo Interesse an der Kultur und das kommt eigentlich immer gut an 🙂
    Und selbst wenn du komische Blicke bekommen solltest – einfach ignorieren ^^
    Ich habe selbst auch schon mit Freundinnen Yukata auf einem Sommerfest getragen und es war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung!

    Wann geht es denn für dich nach Japan und wohin genau? 🙂

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    1. Okay, das hatte ich gehofft, aber sehr gut es nochmal bestätigt zu bekommen 😉 Ich habe eine Zeit in Norwegen gelebt und da sind leider viele Einheimische ein bisschen schwierig in Bezug auf Ausländer in traditioneller Kleidung.
      Ich fliege am 27.08. nach Tokyo und werde dort wohl die meiste Zeit verbringen. Ich glaube ich bin für die meisten Feuerwerke und Natsumatsuri in Tokyo leider zu spät dran (?), aber es ist geplant bei der Familie meines Freundes in Nagano auf das ein oder andere Fest zu gehen 🙂 Hast du geplant, noch auf ein Fest zu gehen bzw. weißt du von Events die so „spät“ noch in Tokyo bzw Shizuoka stattfinden?

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      1. Also ich kann mir vorstellen, dass es auch Japaner gibt, die schwierig darauf reagieren, aber entweder zeigen sie es nach Außen hin einfach nicht, oder ich habe es noch nicht erlebt, haha ^^ Mach dir auf jeden Fall nicht allzu große Gedanken. Ich finde man fühlt sich im Yukata eh so wunderschön und weiblich, dass einem eventuell böse Blicke gar nicht auffallen 😉

        Ende August ist tatsächlich schon etwas spät, aber wenn du Glück hast finden vielleicht im Umland noch kleinere Feste statt? Und Nagano, wie schööön 🙂 Da werd ich gleich ganz neidisch! Viel Spaß auf jeden Fall in Japan 🙂

        Ich werde leider doch nicht wie geplant im September, sondern erst im November fliegen … Aber dafür freue ich mich schon aufs Momiji! 😉

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