Konfliktpotenzial in einer internationalen Beziehung

Worüber streiten sich Pärchen normalerweise?
Was essen wir heute zum Abendbrot? Gehen wir zu der Party am Wochenende oder machen wir einen entspannten Netflix-Abend? Wer hat schon wieder vergessen, für Sonntag einkaufen zu gehen? 
Klar, auch wir geraten über solche alltäglichen Dinge gern mal in Clinch. Doch darüber hinaus haben internationale Pärchen noch mit ganz anderen Problemchen zu kämpfen 😉

Wie die meisten von euch mittlerweile wissen, ist mein Freund Japaner.
Ich bin Deutsche. Zumindest fast. Väterlicherseits fließt sogar ein wenig französisches Blut durch meine Adern.
Was hat das nun mit Konflikten zu tun, fragt ihr euch? Nun, wir Menschen mit unseren verschiedenen Charakteren und Werten entwickeln uns in der Regel gemäß dem Umfeld, in dem wir aufwachsen. Dieses kann sich schon innerhalb des selben Sprach- und / oder Kulturkreises stark unterscheiden. Wenn man sich nun allerdings auf eine Beziehung mit jemandem vom anderen Ende der Welt einlässt, können schon grundlegende Vorstellungen vom (Beziehungs)Leben sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden.

Das ist sehr aufregend und spannend, hält meiner Meinung nach die Liebe frisch und wird vor allem nicht schnell langweilig. Allerdings gibt es auch ein paar Punkte, die eine solche Beziehung belasten können.

1. Wertevorstellungen

Ein Punkt, der sich von Mensch zu Mensch unterscheiden kann, bei internationalen Paaren allerdings nicht selten für die Beziehung neu definiert werden muss. Was erwarten die Partner von einander? Wie sind Dinge wie Treue und andere Grenzen festgelegt? Komme ich mit den Vorstellungen meines Liebsten auf Dauer zurecht?
Man sollte sich immer im Klaren darüber sein, dass es nicht zum Ziel werden sollte, den Partner mit der Zeit so hinbiegen zu können, bis er zu den eigenen Vorstellungen passt. (Nach dem Motto: „Ach, den / die erziehe ich schon noch.“ Gaaaanz schlechter Satz, ehrlich! 😉 )
Man sollte sich daher so früh wie möglich die Frage stellen, ob man auf Dauer mit eventuell gravierend moralischen Vorstellungen des anderen leben kann.

Bei uns geht es, was das betrifft, zum Glück eher entspannt zu. Mein Freund ist zwar manchmal überfordert mit meiner Impulsivität und Offenheit, profitiert aber gleichzeitig auch von der daraus entstehenden Spontanität. Ich dagegen bin öfter irritiert von seiner Angewohnheit, immer den Starken zu mimen, selbst wenn es ihm nicht gut geht. Oder der Tatsache, dass es ihm unangenehm ist, in der Öffentlichkeit Liebesbekundungen zu zeigen. Alles Dinge, über die man reden kann und auch sollte.
Kommunikation ist der Schlüssel! 🙂

2. Reaktionen aus dem Umfeld

Mittlerweile sind internationale Beziehungen in der Gesellschaft glücklicherweise zu etwas ziemlich Normalem geworden. In Japan sieht das leider noch ein wenig anders aus, zumindest in unserer Konstellation: Japanischer Mann + ausländische Frau.
Schon auf der Straße merkt man, dass die Menschen einen nicht selten schräg anschauen, besonders wenn man sich nach Außen hin durch Händchenhalten oder Ähnliches als Paar bekennt. (Zumindest habe ich diese Erfahrung in ländlicheren Gegenden gemacht, in Tokyo sah das beispielsweise wieder etwas anders aus …)
Was mich persönlich zudem beunruhigte, war die Frage, wie wohl seine Familie auf uns reagieren würde. Ich wurde glücklicherweise sehr herzlich aufgenommen, doch es gibt auch genügend Beispiele, bei denen dies nicht so harmonisch verlaufen ist.

Eltern und Familie sind wohl in jedem Kulturkreis ein unglaublich wichtiger Faktor, den es zu bedenken gilt. Wenn die engsten Verwandten des Liebsten nicht mit einem warm werden und es vielleicht sogar Streit aufgrund der Partnerwahl gibt, ist dies eine sehr unangenehme Situation für alle Beteiligten.
Sich mit der Kultur und Sprache des anderen und der Familie zumindest ein wenig auseinander zu setzen, kann ein absoluter Eisbrecher sein. Meine japanische Familie beispielsweise ist sofort lockerer im Umgang mit mir geworden, als sie merkten, dass ich sie verstehen und mich mit ihnen unterhalten kann. 🙂

3. Und wo sollen wir leben …? 

Eine Frage, die wohl jedes internationale Pärchen zu Genüge kennt. Je nachdem, wie weit die jeweiligen Länder (und Interessen) auseinander liegen, kann es schwierig werden, sich auf einen Ort zu einigen, an dem man gemeinsam leben möchte.
Auf Dauer eine Fernbeziehung zu führen, ist für die meisten auch keine realistische Alternative, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Also, wohin?

Man sollte bei der Entscheidung immer eines bedenken: So schön es auch wäre, von Luft und Liebe kann niemand leben. Mir persönlich ist es in unserer Beziehung sehr wichtig, dass wir beide unser Potenzial entfalten und in einem Beruf arbeiten können, der uns persönlich etwas bringt. Und natürlich spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle.
Da ich einigermaßen gut japanisch spreche und es sowieso schon seit früher Kindheit mein Traum war, in Japan zu leben, fiel uns die Entscheidung zum Glück nicht allzu schwer.
Bei anderen Paaren in meinem Umfeld erlebe ich dies allerdings auch oftmals anders.
Ein sehr kritischer Punkt also, den es ausführlich zu überdenken gilt, bevor voreilige Entscheidungen getroffen werden.
Ihr seht also, das Konfliktpotenzial in einer internationalen Beziehung ist hoch. Natürlich kann man diese Punkte gewissermaßen auch auf alle anderen Arten der Beziehung übertragen, denn Probleme können immer aufkommen.
Wichtig ist nur, dass man sie gemeinsam in Angriff nimmt und übersteht, denn:

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Kennt ihr diese Probleme aus euren eigenen Beziehungen? Was haltet ihr ansonsten noch für kritisch oder bedenklich, wenn es darum geht, eine Beziehung und ihre Konflikte zu managen? Habt ihr vielleicht auch ein paar Tipps parat? 🙂

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20 Kommentare zu „Konfliktpotenzial in einer internationalen Beziehung“

    1. Ich bin noch gar nicht in Facebook Gruppen aktiv, muss ich sagen. Vielleicht wollen die Leute sich aber auch einfach nicht so sehr darüber aufregen, weil es sonst aus dem Umfeld eventuell heißt: „Hast du dir doch selbst ausgesucht.“ (Den Satz habe ich zum Beispiel schon oft gehört, wenn ich mich mal bei Freunden / Familie über meinen Freund beschwert hab 😀 )

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      1. An diesem Satz ist eine langjährige Freundschaft zerbrochen…
        Wenn ich in Deutschland über einen Freund gemeckert habe, kein Problem.
        Mecker ich über meinen japanischen Mann oder Japan, kommen gleich so blöde Sprüche bis hin zu tollen Ratschlägen, wie ich mein Leben leben soll.
        Dass ich mich einfach nur mal auslassen möchte oder „du armes Töfftöff“ hören möchte, verstehen die Leute nicht.
        Ich bin ja nicht generell mit meiner Situation unzufrieden…

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        1. Ich verstehe das auch nicht. Nur weil man sich mal ein bisschen auslassen möchte, heißt das ja nicht, dass man total unglücklich in der Beziehung ist.
          Hab auch ziemlich oft solche Momente mit Freunden zu Hause. Wenn sich über den jeweiligen Partner aufgeregt wird, heißt es von allen Seiten „Oh jaaa, das verstehe ich voll guuuut“, aber wenn ich dann anfange (mit den selben banalen kleinen „Beschwerden“, wie man das halt so macht unter Freunden) hält man sich entweder zurück, wechselt das Thema oder es kommen eben diese schönen Sprüche…
          Passiert natürlich nicht immer und bei allen, aber leider doch oft genug :3

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          1. Ja.. komisch.. Da wird dann alles sofort auf das andere Land und den Partner aus dem anderen Land geschoben..
            Und wenn solche Sprüche dann von Leuten kommen, die noch nie mal für längere Zeit im Ausland waren..
            Hmpf!

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    1. Hallo Tessa!

      Vielen Dank für deinen Kommentar 🙂
      Für mich geht es leider nicht nach Tokyo, sondern in die Nähe von Nagoya. Aber mal sehen, was die Zukunft noch bringt. Vielleicht verschlägt es uns am Ende doch noch nach Tokyo, wer weiß? 😉

      Ganz liebe Grüße zurück! ❤️

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  1. Ich persönlich glaube, dass das „Funktionieren“ einer Beziehnung nicht unbedingt von Nationalitäten abhängig ist. Du hast es schon auf den Punkt gebracht. Jeder Mensch ist anders und jeder lebt das, was er in seiner Kindheit erfahren hat und wie er damit aufgewachsen ist. Diesen Umstand finden wir aber auch in vielen deutschen Beziehungen. Jeder Mensch hat seine eigenen Werte, Vorstellungen, Erfahrungen und Glaubenssätze, die meist von den Eltern übernommen werden. Es gibt beispielsweise Menschen, die solch eine Fernbeziehung gar nicht leben könnten, weil sie nicht wüssten wie, da sie es nie erfahren haben. Andere widerum lassen sich darauf ein, einfach aus dem Gefühl der Liebe heraus und probieren es. Doch generell denke ich, dass auch eine solche Beziehung nach den selben Prinzipien funktioniert, wie hierzulande auch. Sich selbst genug zu lieben, um den anderen anders sein lassen zu können. Danke für Deinen tollen Beitrag 🙂

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    1. Vielen Dank für die schönen Worte. Ich sehe das ganz genauso wie du: Eine Fernbeziehung muss sich gar nicht so sehr von einer „normalen“ Beziehung unterscheiden. Es kommt immer auf die Charaktere und Wertevorstellungen der Partner an. Was man dann aus den gegebenen Umständen macht, hängt ganz davon ab, wie man sich das Miteinander gemeinsam vorstellt. 🙂
      Liebe Grüße!

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