Jobsuche von Deutschland aus?

Nun bewegt sich mein Countdown endlich wieder in erträglichen Sphären. In etwas mehr als zwei Monaten geht es los nach Japan, diesmal wirklich, ohne einen weiteren Aufschub. Mit dem Bachelor so gut wie in der Tasche zieht zwar schon ein gewisses Siegesgefühl ein, dieses geht allerdings einher mit dem nächsten großen Schritt: Die Jobsuche.

Ich bin ein spontaner Mensch. Mir machen große Veränderung weniger aus, als sie vielleicht sollten und zu meinen Hobbies gehört es quasi, mich kopfüber in neue Lebensabschnitte und Abenteuer zu stürzen.
Trotzdem habe auch ich meine Ängste, besonders was dieses neue Kapitel betrifft.

Der bisherige Plan? 

Ich würde gern mein Studium in Japan fortsetzen und nächstes Jahr im Herbst einen Master an einer Uni in Nagoya beginnen. Dafür brauche ich allerdings vor allem eines: Ein Stipendium, das mir dieses Programm zumindest anteilig finanziert.

Doch was geschieht vorher? 

Nun, wie der Name schon sagt, ist das Work & Travel Visum dazu da, zu arbeiten und zu reisen. Ich möchte so schnell wie möglich einen Job finden, sobald ich im November angekommen bin. Bis das eventuelle Masterstudium nächstes Jahr anfängt, ist noch viel Zeit, die dazu genutzt werden will, Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln und mein Japanisch zu verbessern. Und ja, natürlich ist da auch der finanzielle Aspekt: Ein Studienkredit, der ab nächstes Jahr zurückgezahlt werden muss; die Kosten des alltäglichen Lebens; Reisewünsche, die erfüllt werden möchten …
Kurz: Ich brauche einen Job.

Nun habe ich vor der Abreise relativ viel Zeit, die ich gern dafür nutzen würde, mich bereits von Deutschland aus nach Jobs in der Region umzuhören, in welcher ich ab November wohnen werde. Das gestaltet sich allerdings schwieriger, als gedacht.
Wie ich bei initiativen Bewerbungsversuchen erfahren habe, beginnt die Saison, in der man sich für die meisten Lehrerjobs an Schulen oder in englischen Kindertagesstätten bewerben kann, erst Ende diesen bzw. Anfang des neuen Jahres.
Es gibt allerdings ein paar Plattformen, auf denen man sich trotzdem umsehen kann, auch wenn man sich noch nicht in Japan befindet.

Gaijin Pot

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Viele kennen diese bunte Website, die beinahe täglich über Japan und seine Sprache, Kultur und andere Geschichten berichtet. Was ich allerdings selbst erst vor kurzer Zeit herausgefunden habe, ist, dass Gaijin Pot auch eine Jobplattform betreibt: Gaijin Pot Jobs.
Wohl eine der übersichtlichsten, best geordneten Websites für Stellenanzeigen, die ich je gesehen habe. Man kann nicht nur eingeben, ob man einen Vollzeit- oder Teilzeit Job sucht, sondern auch weitere Einstellungen vornehmen, wie beispielsweise „Bewerbung aus dem Ausland“ oder „Kein Japanisch“.
Der Direktor einer Schule, bei der ich mich neulich beworben habe, sagte mir, dass viele ihre Stellenanzeigen mittlerweile nur noch über Gaijin Pot laufen lassen. Man kann den Service der Seite abonnieren und sich wöchentlich per E-Mail mit den neuesten Jobs versorgen lassen – auf jeden Fall einen Blick wert also 🙂

Kopra

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Diese Website konzentriert sich auf Praktika mit Asien-Fokus und dient als Vermittler für viele große Firmen wie Audi, Benz etc. Aber auch kleinere Unternehmen können sich auf der Plattform anmelden, um ihre freien Praktikumsstellen hochzuladen.
Als Bewerber muss man sich ein Profil erstellen, das man beliebig umfangreich ausfüllen kann. Anschließend lassen sich über die Suchfunktion Praktika in dem Bereich, der von persönlichem Interesse ist, finden, beispielsweise nach Studienfächern und Branchen sortiert. Es ist möglich, sich über sein Profil auf Kopra selbst mit dem Arbeitgeber in Verbindung zu setzen, oder diesem über angegebene Kontaktadressen direkt eine Bewerbung zukommen zu lassen.
Damals haben viele meiner Kommilitonen ihre Praktikumsplätze in Japan über den Dienst von Kopra gefunden. Da von einem Praktikanten allerdings bei vielen Firmen erwartet wird, noch an einer Universität eingeschrieben zu sein, würde ich diesen Service eher für Studenten empfehlen.
Aber wer weiß? Auf Anfrage hin kann man bei den Unternehmen vielleicht auch ohne Studentenstatus als Praktikant oder Trainee anfangen, fragen kostet ja immerhin nichts 🙂

 

Craigslist 

Craigslist

Ebenfalls ein Online Service, den es in allen möglichen Teilen der Welt gibt – so auch in Japan. Wenn man auf der Startseite eine größere Stadt angibt, in deren Nähe man lebt, wird man direkt weitergeleitet zu allen möglichen Anzeigen aus der Umgebung.
Man muss sich anfangs etwas durchwühlen und auch vorsichtig bei der Suche sein, denn neben diversen Jobs bietet Craigslist auch Möbel, Abonnements aller Art und zwischendurch das ein oder andere unmoralische Angebot an 😉
Es gibt aber durchaus auch seriöse Stellenanzeigen, besonders für Teilzeitstellen. Meist sind die Angebote eher kurzfristig ausgelegt, daher ist die Seite wohl eher etwas für diejenigen, die sich schon in Japan befinden. Trotzdem schaue ich auch aus Deutschland aus immer mal rein.

Initiativ-Bewerbungen

Mein persönlicher Favorit. Bisher habe ich alle meine Praktika und Nebenjobs über Anfragen bekommen, die ich außerhalb von Stellenanzeigen direkt an die jeweilige Firma gestellt habe.
Natürlich ist hier die Gefahr, niemals eine Antwort zu bekommen, relativ groß, aber ich denke mir: Eine Absage kann man sich auch für Bewerbungen auf eine öffentliche Stellenanzeige einhandeln, warum also nicht mal selbst Initiative zeigen?
In Japan ist es wohl relativ schwer, sich auf eigene Faust zu bewerben, zumindest bei großen Firmen. Bei internationalen Unternehmen oder Institutionen wie zum Beispiel der Botschaft oder dem Generalkonsulat kann man es allerdings durchaus auf diesem Wege versuchen.

Was habe ich also bisher getan?

Ich habe mich initiativ für einen Praktikumsplatz bei einer internationalen Firma in Nagoya beworben, wo ich Ende November zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Das ist zwar schon mal ganz gut, leider aber nicht so super bezahlt.
Daher habe ich auch mehrere englische Kindergärten und Vorschulen in der Umgebung angeschrieben, die mich bisher zum großen Teil auf ihre Stellenanzeigen am Dezember / Januar auf Gaijin Pot verwiesen haben.
Resumee: Zumindest passiert nicht gar nichts, aber für meine Verhältnisse auch nicht genug. Das urdeutsche Mädchen in mir hätte am liebsten schon etwas sicher, bevor ich überhaupt in den Flieger steige, aber mittlerweile habe ich mich schon damit abgefunden, vermutlich erst im Land selbst etwas tun zu können, was die Jobsuche betrifft.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dieser oder einer ähnlichen Situation gemacht? Seid ihr mutig mit einem Working Holiday Visum losgezogen und hattet im Voraus noch keine 100%ige Aussicht auf einen Job? Und wie habt ihr im Endeffekt einen Arbeitsplatz gefunden, egal mit welchem Aufenthaltsstatus? 

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5 Kommentare zu „Jobsuche von Deutschland aus?“

  1. So ging es mir vor einem halben Jahr auch, und letztendlich habe ich jetzt keinen Nebenjob neben dem Master, was auch ganz gut so ist und dank der Arbeit meines Mannes auch finanziell machbar. (Bevor hier jemand mit „die Alte lässt sich aushalten“ oder so ankommt, sei gesagt, dass ich gearbeitet habe, während er seinen Master gemacht habe.)
    Hast du dich mal bei einer Agentur wie Career Management oder so beworben? Ich glaube, es gibt da welche, die auch nach Japan vermitteln.

    Wegen des Stipendiums weißt du sicherlich/hoffentlich (?), dass man sich da teilweise über ein Jahr im Voraus bewerben muss, oder?

    Gefällt 1 Person

    1. Neben dem Master noch zu arbeiten stelle ich mir sowieso sehr extrem vor. Hab das ja nicht mal im letzten Jahr vom Bachelor mehr geschafft, weil das Pensum einfach zu groß wurde.
      Und hey, ich werde mich auch ab April zumindest ein wenig auf die Arbeit meines Freundes verlassen müssen, denn das Stipendium, für das ich mich bewerbe, wird erst ab März 2019 ausgezahlt werden. Ich muss den Anfang also vermutlich eh allein (und vielleicht mit einem Mini-Stipendium von der Uni, wenn ich Glück hab) finanzieren, denn irgendwie ist kein Master-Stipendium, das ich bisher gefunden habe, für Oktober ausgelegt … ~.~
      FALLS ich überhaupt eines bekomme. Meine Abschlussnoten sind jetzt zugegebenermaßen nicht die Crème de la Crème, also mal schauen … :3

      Danke für den Tipp mit den Agenturen, da muss ich mich nochmal umhören! 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Ich hatte auch keinen festen Job bevor ich mit WH Visum nach Japan bin. Das geht auch ganz schwer von Deutschland aus, weil man nicht zum Gespräch gehen kann. Als ich dann da war, hatte ich direkt ein Praktikum und danach dann auch recht schnell einen festen Job. Suchst du nur nach Lehrerjobs ?

    Gefällt 2 Personen

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